Zystostomie - Zystenfensterung

Röntgenbild und Foto von einer folikulären Zystebelsky

folikuläre Zyste

Zystostomie ist eine mögliche Therapieform einer Zyste.

Eine Zyste ist ein durch ein Häutchen (Epithel) abgeschlossener Gewebehohlraum, der aus mehreren Kammern bestehen kann und meistens einen flüssig/breiigen Inhalt besitzt. Zystostomie bedeutet „Eröffnung der Zyste“, dadurch nimmt das Zystenvolumen ab.

Im Bild sehen Sie ein Schädelröntgen, deutlich erkennt man die Aufwölbung im Unterkiefer links – eine sogenannte follikuläre Zyste. Die Zyste ist für eine Entfernung zu groß, der Unterkiefer könnte brechen, auch von außen ist die Größe der Zyste durch die Weichteildeformation zu erahnen.

Es wird also zuerst eine Zystostomie durchgeführt. Dabei wird die Zyste angebohrt und eine Drainage – in diesem Fall ein Rohr eingelegt, welches mit der Außenwelt (in dem Fall mit der Mundhöhle) kommuniziert. Dadurch wird die Zyste über Monate hindurch kleiner – Sie können sich das wie einen Luftballon vorstellen, bei dem Sie nach und nach Luft ablassen - erst wenn die Zyste (der Ballon) eine gewisse Größe erreicht hat, erfolgt die Zystektomie – das bedeutet Zystenentfernung, mehr dazu im gleichnamigen Clip.

Sie sehen hier eine Fotoaufnahme des Drains, die Zyste ist also bereits eröffnet worden, damit die Öffnung nicht zuwächst wurde das kleine Kunststoffrohr eingelegt – im Bild mit dem roten Pfeil markiert. Die schwarzen Striche sind Nähte, die nach einer Woche entfernt werden.

eröffnete Kieferzyste mit KunststoffkanüleCheck Dent

Zystostomie

Das Rohr verbleibt im Mund, solange bis die Zyste klein genug geworden ist, sodass sie dann gefahrlos samt Rohr entfernt werden kann. Außer bei großen Zysten empfiehlt sich die Zystostomie auch, wenn z.B. wichtige anatomische Strukturen in unmittelbarer Nähe der Zyste liegen, die bei einer Entfernung der Zyste – also der Zystektomie - beschädigt werden könnten. Erst wenn die Zyste durch die Eröffnung kleiner geworden ist und dadurch nicht mehr in unmittelbarer Nachbarschaft zu wichtigen anatomischen Strukturen liegt, erfolgt die Zystenentfernung.

Die Entfernung von größeren Zysten birgt allgemein ein gewisses Risiko von Wundheilungsstörungen, denn durch die Entfernung der Zyste entsteht ein großer Knochendefekt, unmittelbar nach der Operation blutet der Knochendefekt in der Regel voll. In weiterer Folge trocknet das Blut, das Blutkoagel schrumpft dadurch. Ein großes Koagulum kontrahiert sich dabei stärker als ein kleines Blutkoagel, es kann sich soweit zusammen ziehen, dass es keinen Kontakt mehr zu den Wänden der Wunde hat.

Nun können keine Blutgefäße von den Wänden in das Blutkoagel einwachsen, dadurch wird das Blutkoagel nicht mehr mit Sauerstoff, Nährstoffen und letztendlich mit Knochenzellen versorgt, was aber eine wichtige Voraussetzung zur Knochenregenration ist. In weiterer Folge zerfällt das Koagulum – es bildet sich Eiter und es kommt zur Wundinfektion.

Um diese Komplikation zu vermeiden, kann bei großen Zysten versucht werden das Koagulum zu stabilisieren und seine Kontraktion zu reduzieren z.B. durch Auffüllen des Knochendefektes mit einem Granulat aus Knochenersatzstoffen – sowie in diesem Beispiel zu sehen. Dadurch wird eine Kontraktion des Koagulums verhindert, Gefäße können von den Wänden einwachsen – die Grundlage für die nachfolgende Knochenregeneration.

Alternative zu der geplanten Operation wäre nur die sofortige Zystenentfernung – also die Zystektomie. Unbehandelt nehmen Zysten im Mund- Kiefer- Gesichtsbereich in der Regel über die Jahre an Größe zu, dadurch kommt es früher oder später lokal zu entsprechenden Komplikationen.

Die Risiken der Operation sind bei einem erfahrenen Operateur vernachlässigbar klein,  trotzdem kann es natürlich in Einzelfällen zu Komplikationen kommen, die dann eventuell weitere Maßnahmen erforderlich machen. Bei jeder weiteren erforderlichen Maßnahme kann es wiederum zum Auftreten von Komplikationen kommen, die dann im Verlauf lebensbedrohlich sein können.  Hier werden nur die speziellen Komplikationen der Zystostomie besprochen, diese wären:

  • Verletzung umgebender Strukturen wie Nerven, Wange, Blutgefäße, Zahnwurzeln und Zähne beim setzten der Öffnung, mit den jeweiligen Folgen
  • irrtümliche Zystostomie von bösartigen Raumforderungen, die eigentlich entfernt gehören
  • Infektion der Zyste durch das hantieren
  • fehlende Eröffnung der Zyste, bei tiefliegenden und/oder mehrkammrigen Zysten, was weiteres Zystenwachstum zur Folge hat
  • Verstopfung der Drainage, was eine zweite Operation zur Folge hat
  • Verlust der Drainage, was zur Zuheilung der Zyste führen kann und somit eine weitere Operation zur Folge hat

Zum Glück sind solche Komplikationen aufgrund der positiven Entwicklungen in der Medizin der letzten Jahrzehnte, sehr selten geworden.

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