Zähne auf Implantaten – welche Unterschiede existieren, was gilt es zu beachten!

Implantatebelsky

Implantate

Implantate müssen in den Knochen zuerst gesetzt werden, man spricht von Implantation. Heutzutage sind minimal invasive Techniken der Standard, so z.B. die Stanz Technik.

Implantate einsetzen ohne die Schleimhaut dabei auf zu schneiden  – geht das? Ja, wobei genügend befestigtes Zahnfleisch (Gingiva fixa) rund um das Implantat bei der Implantation vorhanden sein sollte!

Heute weiß man, dass sich auf Implantaten/Zähnen mit ausreichend Gingiva fixa weniger Plaque bildet. Zähne/Implantate welche nur von beweglichem Zahnfleisch umgeben sind, sind dadurch mehr gefährdet an Parodontitis, Gingivitis und/oder Karies zu erkranken.

Wenn also nur noch wenig befestigtes Zahnfleisch vorhanden ist, dann sollte nicht gestanzt werden, denn ansonsten entfernt man das wenig an Zahnfleisch auch noch! Der Spruch “Use it or loose it – Verwende oder verlier es” gilt nicht nur für die geistigen Fähigkeiten oder die Muskulatur beim Menschen. Auch Knochengewebe braucht ein gewisses Maß an Belastung, um nicht zu verkümmern. Gehen Zähne verloren, fehlt der Belastungsreiz und Knochenschwund in den betroffenen Kieferabschnitten ist die Folge.

Künstliche Zahnwurzeln können dies verhindern. “Implantate sollten daher möglichst frühzeitig nach einem Zahnverlust eingesetzt werden”, rät die deutsche Gesellschaft für Implantologie in ihren neuesten Informationen für Patientinnen und Patienten.

Eine solche “Sofortimplantation” hat den Vorteil, dass die Strukturen wie Knochen und Weichgewebe erhalten bleiben können. Nicht empfehlenswert ist die Sofortimplantation bei akuten oder ausgeprägten chronischen Entzündungen, etwa bei einer Parodontitis, sowie ausgedehnten Schäden an Weichteilen und Knochen, beispielsweise nach einem Unfall. Sofortversorgung heißt nicht Sofortbelastung!

Je nachdem wann das Zahnimplantat mit Zahnersatz versorgt wird, unterscheidet man eine

  • Sofortversorgung
  • Sofortbelastung
  • offene/gedeckte Einheilung

Entscheidend welches Verfahren man wählt sind die Qualität des Knochens, also des Knochengewebes, welches das Implantat umgibt, sowie die so genannte Primärstabilität des Implantates unmittelbar nach der Einpflanzung. Inzwischen ist gesichert, dass Implantate, die in den vorderen Bereich eines zahnlosen Unterkiefers eingepflanzt und miteinander verbunden sind, sofort versorgt und auch belastet werden können.

Wird das Implantat gleich den vollen Kaukräften ausgesetzt, dann spricht man von Sofortbelastung. Dies ist bei optimaler Knochenqualität – vor allem im Unterkiefer, möglich. Bisher musste man bei Zahnimplantaten noch monatelangen Einheilzeiten einrechnen. Heute kann der moderne Zahnarzt unmittelbar nach der Operation  die Implantate mit einem Zahnersatz versorgen  und die volle Belastbarkeit ist möglich! Voraussetzung für einen dauerhaften Erfolg von Zahnimplantaten ist die knöcherne Verankerung des Implantatkörpers durch unmittelbaren Kontakt der Implantatoberfläche mit dem umliegenden Knochen.

Wird das Implantat zwar auch gleich mit einem Zahnersatz wie bei der Sofortbelastung versorgt, aber nicht den vollen Kaukräften ausgesetzt – man macht den Zahn einfach ein wenig kleiner – dann spricht man von Sofortversorgung.

Egal ob Sofortversorgung oder Sofortbelastung;  es sollte nicht vergessen werden, dass diese neuen Techniken nur dann zum gewünschten Erfolg führen, wenn die Bedingungen gut sind. Was versteht man unter guten Bedingungen für eine Sofortversorgung? Es dürfen keine Entzündungen vorliegen, also keine Zahnherde, keine Parodontitis und sonstige Schleimhautinfektionen!

Manchmal ist die Knochenqualität auch für eine Sofortversorgung nicht ausreichend, die Gefahr dass durch Nahrung und/oder die Zunge das Implantat samt Zahn bevor es einheilen kann, gelockert wird, wäre zu groß. Entweder man lässt dann das Implantat gedeckt einheilen, oder man befestigt nur einen sogenannten Zahnfleischformer. Durch den Zahnfleischformer erspart man dem Patienten nach der Einheilungszeit die Freilegungsoperation. Man spricht hierbei von offener Einheilung.

Ein weiterer Faktor bei der Wahl der Technik ist der Umfang der Implantation, erfolgte z.B. eine Knochenaufbauoperation in der gleichen Sitzung, dann wird eher gedeckt eingeheilt, sprich die Schleimhaut über dem Implantat wird dicht vernäht. Gedeckt bedeutet also man lässt die Implantate unter der Schleimhaut einheilen, damit sich z.B. das Knochenaufbaumaterial nicht infiziert – ein Verlust des Knochenaufbaus wäre die Folge. Durch den Schleimhaut Verschluss ist das Operationsgebiet vor den Bakterien der Mundhöhle geschützt.

Der Nachteil der gedeckten Einheilung gegenüber der Sofortversorgung, Sofortbelastung und der offenen Einheilung ist, dass die Schleimhaut nach Einheilung der Implantate nochmals eröffnet werden muss – die sogenannte Freilegungsoperation.

Zahnimplantate im Unterkiefer unmittelbar nach Setzungbelsky

Zahnimplantat Operation

Je nachdem ob die Kaukräfte in den Knochen (sowie bei den eigenen Zähnen), oder aber auf die Schleimhaut übertragen werden, unterscheidet man

  • Knochen getragenen Zahnersatz
  • Schleimhaut getragenen Zahnersatz

Werden die Kaukräfte in den Knochen geleitet, der Zahnersatz liegt der Schleimhaut nur knapp auf, dann spricht man von Knochen getragenen Zahnersatz. Festsitzender Zahnersatz ist immer Knochen getragen, sprich die Kaukräfte werden entweder über Ihre Zähne, oder aber über Implantate in den Knochen geleitet.

Werden die Kaukräfte aber hauptsächlich in die Schleimhaut übertragen und dienen Restzähne und/oder Implantate (man spricht von Verankerungselementen) nur dem besseren Halt des Zahnersatzes, dann spricht man von Schleimhaut getragenen Zahnersatz.

Der Trend in den Industriestaaten geht eindeutig immer mehr zu Knochen getragenen Zahnersatz, aus folgenden Gründen:

  • erhöhter Komfort für den Patienten
  • Verhinderung von Schäden an Ankerzähnen (z.B. bei Teilprothesen)
  • Verhinderung des Knochenabbaus vom Alveolarknochen (Use ist – or lose it)

Häufig wird durch Schleimhaut getragener Zahnersatz der Knochenabbau leider beschleunigt, da der Knochen nicht mehr natürlich (unphysiologisch) belastet wird.  Das Resultat ist nicht nur eine schlecht sitzende Prothese, sondern Veränderungen des Gesichtes (großer Unterkiefer, kleiner Oberkiefer). Den Knochenabbau merken Sie durch immer wiederkehrende Druckstellen und/oder eine immer schlechter sitzende Prothese. Eine Prothesen Unterfütterung ist dann die Folge, dadurch wird der Knochenabbau wieder ausgeglichen.

Selbst wenn nur mehr wenig Knochen vorhanden ist, dann kann durch eine Knochenaufbauoperation wiederum ein Lager für Implantate geschaffen werden, Teilprothesen und Vollprothesen werden häufig nur mehr als Provisorium eingesetzt, für die Zeit, bis Zahnimplantate eingeheilt und somit belastbar sind. Der einzige Vorteil von Teil- oder Totalprothesen sind die geringen Kosten gegenüber Implantatlösungen.

Was bedeutet eigentlich festsitzender -, bedingt abnehmbarer - und abnehmbarer Zahnersatz?

Festsitzend bedeutet, Sie können den Zahnersatz nicht aus dem Mund nehmen, der Zahnersatz ist fix im Mund verankert. Man spricht nicht von keiner Zahnprothese, sondern vom Zahnersatz. Ein klassisches Beispiel für einen festsitzenden Zahnersatz ist eine künstliche Zahnkrone.

Ein weiteres Beispiel für festsitzenden Zahnersatz ist die Zahnbrücke, diese wird ebenfalls wie die Zahnkrone auf Zahnstümpfe oder Implantate zementiert. Der einzige Unterschied zur Zahnkrone ist, dass ein, oder mehrere  “Zwischenglied/er” zwei “Kronen” miteinander verbinden.

Ist kein Zahnstumpf mehr vorhanden, dann übernimmt ein Implantat die Funktion der Zahnwurzel. Zahnersatz auf Implantaten wird ebenfalls meistens zementiert, aber mit einem provisorischen Zement, es handelt sich also um einen “bedingt abnehmbaren Zahnersatz”. Wenn nur der Zahnarzt den Zahnersatz abnehmen kann, indem er z.B. Schrauben lockert, dann spricht man von bedingt abnehmbarem Zahnersatz. Bedingt abnehmbar bedeutet also, Sie können nicht, der Zahnarzt aber kann den Zahnersatz aus Ihrem Mund „einfach“ und zerstörungsfrei entfernen.

Ein klassisches Beispiel für einen bedingt abnehmbaren Zahnersatz wäre eine verschraubte Steglösung. Implantatkronen werden im Gegensatz zu normalen Kronen wie schon erwähnt, mit einem provisorischen Zement zementiert, sprich der Zahnarzt kann die Implantatkrone bei Bedarf wieder abnehmen, es handelt sich also auch hier um einen bedingt abnehmbaren Zahnersatz. Demgegenüber ist eine Krone auf Ihrem Zahnstumpf ein festsitzender Zahnersatz, denn der Zahnarzt muss die Krone zerstören um sie von Ihrem Zahn zu bekommen.

Früher war die Verwendung von verschraubtem Zahnersatz nicht unüblich, heute geht der Trend eindeutig zu zementierten Lösungen.

Dies hat verschiedene Gründe:

  • Entwicklung und Verbesserung von  Zementen (permanente und auch provisorische Zemente)
  • niedrigere Kosten der Versorgungen gegenüber aufwendigen verschraubten Lösungen
  • leichter putz bar
  • weniger Problem anfällig
  • größerer Komfort für den Patienten, den verschraubter Zahnersatz ist in der Regel größer – also klobiger im Mund
  • positiven Entwicklungen in der Implantologie, Knochenaufbauchirurgie

Bei festsitzendem/bedingt abnehmbarem Zahnersatz werden die Kaukräfte immer in den Knochen eingeleitet – entweder über die Zahnwurzel, oder aber eben durch Implantate. Bei abnehmbarem Zahnersatz ist das ebenfalls möglich, oder aber der Zahnersatz nützt Teile der Schleimhaut als “Aufruhe” und leitet so die Kaukräfte auf die Schleimhaut über. Man unterscheidet also beim abnehmbaren Zahnersatz Knochen- oder Schleimhaut getragen, wie oben schon beschrieben!

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