Suchtkranke und Zahnprobleme?

 

Perspektive einer Essgestörten im Spiegel© Xenia-Luise - Fotolia.com

 

Sucht

Wenn Menschen Sucht hören, dann denken sie an Alkohol und Drogen, wenn sie an Drogen denken, dann denken Sie an den obdachlosen, sich prostituierenden, kriminellen, physisch und psychisch Drogenfixer.

Dieses durch Erziehung und Medien kreierte Bild hat mit Sucht überhaupt nichts zu tun. Die Pharma Industrie ist sehr daran interessiert eine stoffgebundene liniere Suchtkarriere darzustellen, die – Sie haben es erraten, nur mit Medikamente therapierbar ist. Wie gut der Pharma Industrie dies gelingt, sieht man auf dem Gebiet der Nahrungsergänzungsmittel. Heutzutage gibt es tausende homöopathische Präparate, Pillen, Vitaminersatz, Co Enzyme gegen allerlei Mangelerscheinungen. In den Spitälern der Industrie Länder liegen aber keine Mangelkranken, sondern Menschen, die am Wohlstandssyndrom leiden.

Trotzdem blüht der Markt – wieso? Die Liste der Probleme in der heutigen Zeit ist lang - Neid, Zukunftsangst, Arbeitsfrust, Zeitmangel, Zunahme unethischer Konflikte im Privaten und der Öffentlichkeit, ungerechte Aufteilung der planetaren Ressourcen und der sorglose Umgang damit, Verlust menschlicher Werte. Das Individuum ist umgeben von grenzenlosem Machbarkeitswahn, wo Jugendlichkeit und Leistungsfähigkeit käuflich sind, wo Tod und Krankheit tendenziell berherrschbar erscheinen. Das überfordert uns, Menschen sind zurecht abgeschlagen, das wird von der Pharma Industrie geschickt als Mangel ausgelegt.

Dies kann sehr witzige Formen annehmen, wie z.B. folgendes. In Japan gab es lange Zeit kein Wort für „Depression“, ein leicht depressiver alter Mann galt als weise, man sprach von einer Art „weiser Melancholie“. Den Begriff Depression gab es vor 30 Jahren in Japan nicht, diese Männer waren angesehen, bis die Pharma Industrie in Japan über Universitäten, Hausärzte und Marketing den Begriff Depression einführte, dann gab es passende Medikamente und wie nicht anders zu erwarten auch Depressive. Aber es muss ja einen Grund haben, wieso alle bekannten Pharmakonzerne in Marketing  das zig fache Geld als in Forschung investieren.

Ob ein Stoff der süchtig machen soll legal oder illegal ist, wird vor allem durch politische und wirtschaftliche Aspekte bestimmt und leider nicht durch ethische. Immer wieder werden Teile der Bevölkerung „versüchtelt“ und einer gesellschaftlichen Kontrolle unterworfen. LSD gab es z.B. lange Zeit in den USA offiziell in Apotheken zu kaufen, Cannabis in Holland, usw. Zurzeit erleben wir bei Nikotin einen Paradigmenwechsel, bei Alkohol leider noch nicht.

Solch eine Sichtweise auf die Sucht ist unvernünftig und wird dem Leid der Menschen kein Ende bereiten. Sucht ist nicht Stoffgebunden, Arbeits-, Sex-, Computer-, Kauf-, Ess-, Brechsucht sind nicht stoffgebundene Süchte. Wie wir Sucht definieren, hängt also nicht an Substanzklassen, zudem dürfen wir auch nicht vergessen, dass die Beurteilung einer Sache, letztendlich von unserem Wissensstand abhängt. Wir bilden uns eine Meinung von der Gegenwart, diese ist aber abhängig von unserer Vergangenheit und dem dabei angeeigneten Wissen. Der Begriff Sucht lässt sich also nicht in schwarz und weiß einteilen, in die Eingeschlossenen und die Ausgeschlossenen, in richtig und falsch.

Die medizinische Suchtforschung ist sehr jung, sie begann fast zur gleichen Zeit, als man objektive Gesundheit und subjektives Wohlbefinden in der Medizin zu unterscheiden begann. Wissenschaftlich erkannte man bereits sehr früh, dass es keine klassischen Suchtstoffe gibt, man fokussiert sich in der Medizin nun stärker auf eine Suchtpersönlichkeit. Das Wort Sucht generell ist noch ein sehr junges Wort. In der Soziologie gibt es viele Erklärungsmodelle für Sucht, interessant finden wir aber das Modell, dass Sucht als etwas gesellschaftlich Konstruiertes darstellt.

Egal ob Sie süchtig sind oder nicht, jeder Stoff, der exzessiv verwendet wird, kann den Körper schädigen. Rauchen schädigt vor allem den Zahnhalteapparat, Zahnfleischrückgang bis hin zum Zahnverlust kann die Folge sein, mehr in den Videos Parodontitis und Parodontologie. Der Zahnverfall bei vielen stoffgebundenen Süchtigen ist selten auf den Suchtstoff zurückzuführen. Vielmehr kommt es zum Zahnverfall im Zuge der häufig einsetzenden körperlichen Verwahrlosung. Die Zahnprobleme von diesen Menschen unterscheiden sich kaum von nicht süchtigen Patienten, nur sind die Erkrankungen weiter fortgeschritten und haben schon mehr Schaden angerichtet, Karies, Parodontitis, Abszesse, Wurzelreste und entzündete Weisheitszähne finden sich da und dort.

Aus zahnmedizinischer Sicht ist es sinnvoll Suchtpatienten ein engmaschiges Recall anzubieten und die Behandlung an die jeweilige Situation anpassen. Generell ist es wichtig, dem Patienten keinen Vorwurf bezüglich des Gebisszustandes zu machen, umso mehr bei Suchtpatienten.

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on 2 Comments

2 Responses to "Sucht - Alkohol - Zähne"

  • preezy30 says:
  • belsky says:
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