Kann Speicheldiagnostik Karies vorbeugen helfen?

Forscher mit Reagenzgläser© Dan Race - Fotolia.com

Forscher

Mit Hilfe der in den letzten Jahren entwickelten Speicheldiagnostik versucht man, über die Bestimmung von bestimmten Bakterien (Streptokokkus mutans und Laktobazillen) unter Einbeziehung der Speichelfließrate und Pufferkapazität des Speichels, Patienten mit erhöhtem Kariesrisiko zu erfassen.

Außerdem sollen diese Tests die Kontrolle der Mitarbeit der Patienten bei kariespräventiven Maßnahmen verbessern.

Zusammenhänge zwischen der Karieshäufigkeit und der Konzentration von Bakterien zeigten,  dass nur eine schlechte Übereinstimmung besteht. Dieses Mißverhältnis ist bei Kindern ausgeprägter als bei Erwachsenen. Lediglich das Nichtvorhandensein von Streptokokkus mutans korreliert in hohem Maße mit Kariesfreiheit, sprich wer keine Streptokokkus mutans Bakterien im Mund hat, hat auch kein Karies.

Das gehäufte Auftreten von Laktobazillen ist offenbar ein Indikator für unbehandelte kariöse Defekte. Die Laktobazillenkonzentration in der Mundhöhle wird vom Zuckergehalt der Nahrung und von der Wirksamkeit der Mundhygiene beeinflußt. Für die Kariesentstehung haben Laktobazillen aber nur eine untergeordnete Bedeutung. Demgegenüber zeigen Studien, dass extrem niedrige Speichelfließraten bei gleichzeitig schlechter Pufferkapazität mit der Karieshäufigkeit korrelieren.

Aus diesem Grund, kann weder ein einzelner Speicheltest noch die Gesamtheit der heute kommerziell angebotenen Speicheldiagnostika das Kariesrisiko einer Einzelperson hinreichend genau vorherzusagen. Dies wird von der häufig geringen Übereinstimmung der Testergebnisse mit dem tatsächlichen Karieszuwachs belegt. Ungeklärt ist vor allem die Grenze zwischen Normal- und Risikobereich. Einmalig erhobene Speicheltests sind mit einem hohen Zufallsrisiko behaftet.

Für eine exaktere Prognose des individuellen Kariesrisikos wären, mehrmalige Wiederholungen des Speicheltests, zusätzliche klinische Untersuchungen (wie die Bestimmung des Plaque Indexes) und die Feststellung des individuellen Ernährungsverhaltens sowie der Fluoridaufnahme notwendig.

Speicheltests dienen somit wenn dann nur zur Motivation und Kontrolle bei der Patientenaufklärung. Laktobazillen korrelieren mit der Anzahl unversorgter kariöser Defekte und sind ein brauchbarer Indikator für hohen Zuckerkonsum. Eine sorgfältige Mundhygiene spiegelt sich in einer Verringerung der Bakterienkonzentration wider. Speicheltests können deshalb hilfreich bei der Motivation und Kontrolle der Mitarbeit des Patienten im Rahmen der Kariesprävention sein.

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