Kopfschmerzen – „Spannungskopfschmerz“

Illustration Kopfschmerzenchrisharvey - Fotolia

Kopfschmerzen

Häufig verwendete Begriffe für diese Form des Kopfschmerzes sind:

  • Kopfschmerz vom Spannungstyp
  • Muskelkontraktionskopfschmerz
  • psychogener Kopfschmerz
  • myogener Kopfschmerz
  • stressabhängiger Kopfschmerz
  • gewöhnlicher Kopfschmerz
  • essentieller oder idiopathischer Kopfschmerz

Dauer
30 Minuten bis 7 Tage

Verlauf
Der Kopfschmerz vom Spannungstyp variiert beträchtlich hinsichtlich Frequenz und Dauer, reicht von seltenen und kurz dauernden leichten Kopfschmerzattacken bis hin zu täglichen Dauerkopfschmerzen. Man unterscheidet daher verschiedene Verlaufsformen. Vom episodischem Verlauf spricht man, wenn die Kopfschmerzen  < 180 Tage/Jahr anhalten, vom chronischen Verlauf, wenn die Schmerzen > 180 Tage/Jahr anhalten.

Erscheinungsbild des Spannungskopfschmerzes
Meistens beidseits, drückend - ziehend, migränetypische Begleiterscheinungen wie Übelkeit, oder Schwindel fehlen meistens oder sind nur gering ausgeprägt.

Sonderformen des Spannungskopfschmerzes
Bei organischen Ursachen des Kopfschmerzes vom Spannungstyp spricht man von einem Kopfschmerz vom Spannungstypähnlichem Bild. In Einzelfällen kann der Kopfschmerz seitenbetont oder sogar einseitig und seitenwechselnd sein, ähnlich einer Migräne. Wenn ein täglicher Kopfschmerz vom Spannungstyp von Migräneattacken überlagert wird, spricht man von einem Kombinationskopfschmerz.

Krankheitsmechanismus
Der genaue Krankheitsmechanismus ist nicht geklärt, man nimmt ursächliche Faktoren für das Kopfschmerzgeschehen an, z.B. psychosozialer Stress, Angst, Depressionen, Missbrauch von Medikamenten, sowie einige andere Erkrankungen. Als Ursache vermutet man einen erhöhten Muskeltonus der Kopfmuskulatur, dies soll über spezielle „Muskelsensoren“ eine Veränderungen im zentralen Nervensystem – „Neuromodulation“ – bewirken, dadurch soll es zum Kopfschmerz kommen.

Verteilung in der Gesellschaft
Der Kopfschmerz vom Spannungstyp betrifft häufiger Frauen als Männer. Mit zunehmendem Lebensalter tritt der Kopfschmerz sowohl bei Frauen als auch bei Männern häufiger auf, am häufigsten beginnt der Kopfschmerz vom Spannungstyp im zweiten Lebensjahrzehnt, er kann aber schon in der Kindheit auftreten. Ein chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp unter dem 10. Lebensjahr ist die Ausnahme.

Diagnose
Die Diagnose des Kopfschmerzes vom Spannungstyp stützt sich auf eine ausführliche Anamnese. Sehr selten sind Zusatzuntersuchungen wie Computertomographie, EEG, Ultraschallmethoden und evozierte Potentiale notwendig. Eine organische Ursache muss ausgeschlossen werden, die Indikation zu einer Schädel - Kernspintomographie sollte vom Neurologen gestellt werden. Für organische Ursachen spricht:

  • Änderung der bisherigen Kopfschmerzsymptomatik
  • Auftreten neurologischer Symptome
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Epileptische Anfälle oder plötzlicher Verlust des Bewusstseins
  • Fieber und Nackensteifigkeit
  • heftiger, bisher nicht bekannter Kopfschmerz

Therapie
Tritt ein Kopfschmerz vom Spannungstyp nur gelegentlich und von kurzer Dauer auf, so können bei subjektiv nicht erträglichen Schmerzen Analgetika eingesetzt werden. Chronische Kopfschmerzattacken können mit Antidepressiva therapiert werden, wobei bei dieser Medikamentengruppe die Veränderung der Neuromodulation im Vordergrund steht und nicht die Stimmungsaufhellenden Eigenschaften. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist die Aufklärung des Patienten, nicht nur über die Ursache des Kopfschmerzes, sondern auch über die Wirkungsmechanismen der verschiedenen eingesetzten Substanzen beim Kopfschmerz vom Spannungstyp.

Zur Sicherung der Diagnose und zur Verlaufskontrolle wird vor und während der Behandlung ein Kopfschmerztagebuch geführt. Schmerzmittel sollten nur bei subjektiv schweren Schmerzen eingenommen werden, maximal 2x/Woche. Innerhalb der ersten drei Behandlungsmonate sollte der Patient in mindestens 4-wöchentlichem Abstand gesehen werden. Danach genügen größere Untersuchungsintervalle. Nach einem Zeitraum von ca. sechs Monaten kann die Medikation über 4-8 Wochen langsam ausgeblendet werden.

Treten erneut Kopfschmerzen vom Spannungstyp auf, wird über weitere 6-12 Monate behandelt. Oft genügen dann niedrigere abendliche Dosen. Treten nach einem Jahr erfolgreicher Behandlung und nach Absetzen der Medikamente wieder Kopfschmerzen vom Spannungstyp auf, ist eine zusätzliche Verhaltenstherapie obligat. Patienten mit Spannungskopfschmerzpatienten zeigen häufig eine ungünstige Lebensführung, mit überzogener Tagesstrukturierung und Termindruck, eine Neigung zur Selbstüberforderung sowie mangelnde Strategien zur Bewältigung von Alltagsbelastungen.

Sportliche Aktivitäten sind ebenfalls empfehlenswert, weiterhin eine Ernährungsberatung, wobei insbesondere auf regelmäßiges Essen und ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden sollte. Es ist ausgesprochen wichtig, bei Schlafstörungen schlaf fördernde Maßnahmen einzuleiten. Da bei chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp die Pharmakotherapie häufig nicht alleine wirksam ist, sollte in diesen Fällen eine verhaltenstherapeutische Behandlung (mit oder ohne begleitende medikamentöse Therapie) eingeleitet werden.

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