Kann Parodontitis zu Frühgeburten führen?

schwangere Frau kontrolliert Ihre Zähne© Hannes Eichinger - Fotolia.com

Schwangerschaft und Zähne

Während der Schwangerschaft kommt es zu erheblichen hormonellen Veränderungen, durch die Zunahme an weiblichen Geschlechtshormonen wird auch das Parodont – der Zahnhalteapparat – beeinflusst.

Das Zahnfleisch - die Gingiva - besitzt Östrogen- und Progesteron empfindliche Rezeptoren. Über diese können die Hormone Einfluss auf die Zahnfleischgewebemorphologie der Schwangeren nehmen, so kommt es zu Veränderungen der Blutgefäße, aber auch das Bindegewebe erfährt Änderungen.

Hierdurch können bereits bestehende Entzündungen des Zahnfleisches, während der Schwangerschaft verstärkt, oder auslöst werden. Untersuchungen der letzten Jahre deuten zudem darauf hin, dass eine unbehandelte Parodontitis ein Risikofaktor für eine Frühgeburt sein kann und demzufolge frühzeitig behandelt werden sollte. Tierexperimentelle und klinische Studien zeigen zudem einen möglichen Zusammenhang zwischen Parodontitis und untergewichtigen Frühgeburten.

Bei bestehender Parodontitis werden Bakterienprodukte wie z.B. Lipopolysaccharide (LPS) gram-negativer Bakterien freigesetzt. Unser Immunsystem, genauer gesagt Makrophagen können nach Kontakt mit diesen Bakterienprodukten verschiedene chemische Botenstoffe freisetzen, die eine wichtige Rolle bei der parodontalen Zerstörung des Hart- und Weichgewebes spielen. Bei parodontal erkrankten Patienten lassen sich erhöhte Werte dieser chemischen Botenstoffe in der Sulkusflüssigkeit nachweisen, im Fruchtwasser wurden diese Botenstoffe ebenfalls nachgewiesen und zeigen einen Anstieg bei Frauen mit vorzeitiger Wehentätigkeit. Tierexperimentelle Untersuchungen am Goldhamster haben gezeigt, dass LPS gramnegativer Bakterien (Escherichia coli und Porphyromonas gingivalis) einen dosisabhängigen, schädlichen Einfluss auf das fetale Gewicht haben und zu Missbildungen führen können. Es zeigte sich, dass eine nicht-chirurgische Parodontitistherapie den Schwangerschaftsverlauf günstig beeinflussen kann. Die Raten einer Frühgeburt waren in einer unbehandelten Kontrollgruppe höher als in der behandelten Testgruppe.

In der Literatur findet man aber auch Studien, die keinen Zusammenhang zwischen Parodontitis und untergewichtigen Frühgeburten zeigen konnten. Sowohl die Ethnizität als auch der unterschiedliche sozioökonomische Hintergrund der Studienpopulation in den verschiedenen Untersuchungsgruppen darf hierbei nicht vernachlässigt werden, genauere Untersuchungen sind noch notwendig!

Soll nun eine Parodontitis Therapie während der Schwangerschaft erfolgen oder nicht? Eine Parodontitistherapie während der Schwangerschaft muss sich am jeweiligen Befund, an bereits vorhandenen Risikofaktoren oder Komplikationen für eine Frühgeburt und am Schwangerschaftsalter orientieren, eine Pauschalempfehlung ist nach dem jetzigen Wissensstand nicht möglich. Im ersten Schwangerschaftsdrittel und in der letzten Hälfte des dritten Trimenon sollten generell keine Wahleingriffe vorgenommen werden. Sofern notwendig, erhalten die Patientinnen eine professionellen Zahnreinigung mit Mundhygieneunterweisung. Eine Schmerztherapie sollte in jedem Fall durchgeführt werden, da die Stresssymptomatik unter Schmerzen einen ungünstigeren Einfluss auf Mutter und ungeborenes Kind nehmen kann, als die negativen Folgen einer Behandlung.

Ergibt die Parodontaluntersuchung einen Hinweis auf eine entzündliche Zahnfleischerkrankung so ist das zweite Trimenon die sicherste Zeit, eine nichtchirurgische Parodontitistherapie durchzuführen. Eine Röntgendiagnostik sollte nur ab dem zweiten Trimenon in Einzelfällen und unter Abwägung einer kritischen Nutzen-Risikoanalyse durchgeführt werden. Durch das Tragen einer Bleischürze wird die Bealstung des Ungeborenen auf ein Minimum reduziert. Chirurgische Parodontalbehandlungen sollten auf die Zeit nach der Geburt verschoben werden, außer Erkrankungen, die ein akutes Eingreifen erfodern.

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