Metall Allergie und Lymphozytentransformationstest

 

Zahnarztbohrer im Mund bei Entfernung einer AmalgamfüllungCheck Dent

 

Amalgam Entfernung

Eignet sich der Lymphozytentransformationstestes (LTT) zur Bestimmung einer Unverträglöichkeit, insbesondere einer Metallunverträglichkeit?

Vorweg – NEIN! Der Entwicklung des Lymphozytentransformationstestes (LTT) lag die Beobachtung im Jahr 1960 zugrunde, dass ein Wirkstoff in Pflanzen (Phytohämagglutinin) eine Aktivierung von weißen Blutkörperchen, den sogenannten Leukozyten bewirkt. Leukozyten sind wichtige Zellbestandteile unseres Immunsystems.

Seither wurde dieser Test in zahlreichen Laboratorien zur Bestimmung zellvermittelter Immunreaktionen eingesetzt. Das Prinzip des Testes beruht darauf, dass Lymphozyten, die durch ein bestimmten Stoff (Antigen) sensibilisiert wurden und dadurch zu sogenannten Gedächtniszellen („memory“-Zellen) mutiert sind, zur Formation in Blasten angeregt werden, wenn sie erneut mit diesem Antigen in Kontakt kommen. Blasten sind Zellen, die wiederum neue Lymphozyten produzieren können.

Entsprechend der zahlreichen biologischen Vorgänge in einer sich veränderten Zelle, gibt es verschiedene chemische und physikalische Veränderungen, die gemessen werden können. Es können Stoffwechselprodukte, Oberflächenänderungen, Elektrolythaushalt usw. während der Blastentransformation gemessen werden. Durch diese Messungen erhält man Rückschlüsse, wieweit die Transformation der Memory Zelle zum Blasten fortgeschritten ist. Da es mittlerweile sehr viele unterschiedliche Meßmethoden gibt, wurde durch die „International Union of Immunological Societies“ (IUIS) ein spezielles Verfahren des LTT empfohlen: der die Inkorporation von tritiummarkiertem Thymidin misst. Die Methode wird seither eingesetzt zur Bestimmung der Lymphozyten Funktion und Lymphozyten Transformation.

Ein weiteres Einsatzgebiet des LTT ist der Nachweis einer spezifischen Sensibilisierung von Patienten gegen Fremdantigene (infektiöse Agentien, Allergene) oder Autoantigene (Autoimmunerkrankungen). Insbesondere in der Diagnostik medikamentös-allergischer Erkrankungen hat sich der Test seit ca. 40 Jahren bewährt. Auch in der Umweltmedizin erhoffte man sich von diesem Test Hinweise auf die Ursache unklarer Erkrankungen, bei denen der Verdacht auf allergische Reaktionen gegenüber „Umweltstoffen“ (Metalle, Nahrungsmittel, Toxine etc.) bestand. Aufgrund methodischer Probleme gibt es mittlerweile eine fast unübersehbare Zahl von Testmodifikationen, woraus wiederum unterschiedliche Interpretationen – auch hinsichtlich Wertigkeit und Aussagekraft der Methode – resultieren. Auf die Relevanz des LTT bei verschiedenen Fragestellungen sowie seine Indikationen im Rahmen der Umweltmedizin soll im Folgenden eingegangen werden.

Durchführung des LTT

Zum Nachweis einer spezifischen Aktivierung (Sensibilisierung) wird der Lymphozytenkultur die zu testende Substanz in verschiedenen Verdünnungen (z.B.0.1,1.0,10, 100, 1000 μg/ml) zugesetzt, als Kontrolle wird statt des Antigens nur Medium zugegeben. Diese Verdünnungsreihen sind notwendig, um das optimale Verhältnis zwischen Lymphozytenmenge und Antigenkonzentration in der Kultur herauszufinden, bei dem die höchste Zellteilungsrate zu beobachten ist. Der Test wird in einem Parallelansatz mit Lymphozyten einer gesunden Kontrollperson durchgeführt, die mit der entsprechenden Substanz noch nie in Kontakt kam. Die Zellen werden für sechs Tage bei 37°C inkubiert und ein paar Stunden vor Kulturende mit radioaktivem 3H-Thymidin markiert. Immer wenn in der Zelle Vorgänge ablaufen, wird DNA in RNA und RNA z.B. in Proteine "übersetzt". Bei der Zellteilung muss der gesamte Zellinhalt samt DNA verdoppelt werden. Das radioaktive Thymidin dient dabei als Baustoff der DNA. Aus der gemessenen Einbaurate des Thymidins (counts per minute=cpm) lässt sich der Stimulationsindex (SI) errechnen: SI=eingebaute Radioaktivität in Kulturen mit Antigen/eingebaute Radioaktivität in Kulturen ohne Antigen. Pathologische SI-Werte größer als 3 dürfen als sicher positiv interpretiert werden, Werte zwischen 2-3 zeigen mit großer Wahrscheinlichkeit einen positiven LTT an.

Um den Einsatz von radioaktivem Material zu vermeiden, gibt es neuere Ansätze, statt tritiummarkiertem Thymidin den Einbau von Bromdesoxyuridin mittels ELISA zu messen oder die Proliferation mittels FACS (fluorescence activated cell sorting) zu bestimmen. Mit dem spezifischen LTT wird immer nur die Stimulierbarkeit und bestehende Sensibilisierung von Lymphozyten nachgewiesen, das bedeutet aber noch nicht automatisch eine Allergie! Das heißt dieser Test darf nicht – wie dies auch für andere Tests zum Nachweis einer Sensibilisierung gilt – automatisch als Indikator für die Allergie (Effektorreaktion) eingesetzt werden. Solche „positiven“ Befunde, die lediglich eine Exposition anzeigen, werden vor allem gegenüber Substanzen beobachtet, mit denen (fast) jeder in Kontakt kommt (z.B. Nahrungsmittel, Pollen, Metalle, Fremdproteine etc.); ob dann auch eine allergische Reaktion auftritt, hängt zudem noch von vielen anderen Faktoren ab. Leider erhält man mit dem LTT auch „falsch negative“ Ergebnisse, d.h. es liegt klinisch eine eindeutige allergische Reaktion gegenüber einer bestimmten Substanz vor, die sich jedoch mit dem LTT nicht nachweisen lässt!

Bedeutung des spezifischen LTT für den Nachweis einer Nahrungsmittel- oder Pollenallergie

Eine Sensibilisierung z.B. gegenüber Eiweiß oder Haselnuss lässt sich in Labor oft auch bei Probanden nachweisen, bei denen nach Kontakt mit dem Antigenen keine Symptome auftreten, auch bei der Inkubation von Lymphozyten mit Pollen- oder Milbenantigenen ist ein positiver Befund im LTT nicht immer mit einer klinischen Symptomatologie gleichzusetzen.

Bedeutung des spezifischen LTT für den Nachweis einer allergischen Reaktion gegenüber Metallen

Ein auch in der Literatur sehr kontrovers diskutiertes Thema ist die Spezifität des LTT zum Nachweis einer Reaktivität gegenüber Metallen bzw. einer daraus resultierenden Erkrankung. Unbestritten ist, dass bestimmte Kontakte mit Metallen autoimmune Reaktionen auslösen können. Nicht eindeutig belegt ist jedoch, inwieweit der Einsatz des LTT sinnvoll ist, um die klinische Ausprägung einer solchen Reaktion zu belegen, da er lediglich, wie oben bereits ausgeführt, die Sensibilisierung, nicht aber die klinische Reaktion anzeigt. So konnte wie bei den Nahrungsmitteln auch für Nickel eindeutig nachgewiesen werden, dass eine erhöhte Zellteilung der Lymphozyten gegenüber Nickel im LTT nicht gleichzusetzen ist mit dem Auftreten von klinischen Symptomen. Dies gilt mit großer Wahrscheinlichkeit auch für viele andere Metalle wie z.B. Gold, Palladium oder Amalgam. Prinzipiell muss festgehalten werden, dass auf dem Gebiet des Einsatzes des LTT zum Nachweis einer metallinduzierten Erkrankung noch erheblicher Forschungsbedarf besteht, bevor er generell als diagnostischer Test auf diesem Gebiet empfohlen werden kann. Jegliche zur Zeit erhaltenen Tests sind unseriös und kosten Sie nur Geld und Energie!

Bedeutung des spezifischen LTT für den Nachweis einer allergischen Reaktion gegenüber tierischen oder pflanzlichen Antigenen

Ein Kontakt mit Fremdeiweißen (Mistel- oder andere Pflanzenextrakte) führt prinzipiell zu immunologischen Reaktionen im Sinne einer Sensibilisierung und damit auch zu einem positiven LTT-Ergebnis, ohne dass eine „Nebenwirkungsreaktion“ auftreten muss. So ist z.B. eine positive Reaktion im LTT gegenüber Bienen-oder Wespengift zwar nur bei Personen zu beobachten, die von diesen Insekten bereits früher gestochen worden waren, sie ist aber nicht unbedingt Hinweis, dass diese Individuen auch allergisch gegenüber diesen Stoffen reagieren. Jeder der einmal von einer Biene gestochen wurde, hat vermutlich einen positiven LTT, nicht jeder deshalb gleich allergische geben Bienen.

Bedeutung des spezifischen LTT für den Nachweis einer medikamentös induzierten Allergie

Das Hauptgebiet des „spezifischen“ LTT als diagnostischer Test liegt heute im Bereich der medikamentösen Allergien und nur dort! Der LTT ist vor allem dann indiziert, wenn es sich um Medikamente handelt, die immer wieder wegen bestimmter Erkrankungen verschrieben werden müssen (Antirheumatika, Antibiotika, Antiarrhythmica, Antiepileptika). In solchen Fällen sollte gleichzeitig auf ähnliche Stoffgruppen getestet werden, um festzustellen, ob der Patient bereits gegenüber verwandten (kreuzreaktiven) Verbindungen sensibilisiert ist.

Die wirkliche Bedeutung des LTT ist für die Medizin daher noch unklar. Ob und inwieweit der Test einen Beitrag auf diesem Gebiet zur besseren Identifizierung von allergischen Reaktionen gegen Umweltstoffe zu leisten vermag, müsste daher noch in umfangreichen Studien abgesichert werden. Derartige Untersuchungen müssten für jede einzelne in Frage kommende Substanz sowohl an exponierten Menschen mit klinischen Symptomen, an exponierten Menschen ohne klinische Symptome, an Personen mit ähnlichen Symptomen ohne Exposition sowie an gesunden Personen (ohne Exposition, ohne Symptome) durchgeführt werden. Dies gilt auch für alle Erweiterungen oder Modifikationen des Testes (Zytokinbestimmungen, Lymphozytensubpopulationen etc.). Es besteht in diesem Punkt noch starker Forschungsbedarf um ein standardisiertes Metall Allergietestungsverfahren zu etablieren!

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