Sind vollkeramische Kronen- und Brücken wissenschaftlich anerkannt?

Grafik einer Zahnkronen Abnahme mit Kronenabnahmezange

Zahnkronen Abnahme

Vollkeramische zahnärztliche Restaurationen zeichnen sich durch hohe Ästhetik und Biokompatibilität aus. Die Vielfalt der auf dem Markt angebotenen Systeme und die nicht immer durch Studien belegten Angaben zu Indikationsbereichen und Verfahrensweisen erschweren eine sichere Anwendung vollkeramischer Systeme in der Praxis. Für die Anwendung von Keramiken für vollkeramische Restaurationen sind werkstoffkundliche Grundkenntnisse unerlässlich.

 

Silikatkeramiken werden oft auch als Glaskeramik bezeichnet, da neben dem kristallinen auch ein nichtkristalliner Glasanteil vorliegt.

Unter Oxidkeramik versteht man einfache Oxide wie Aluminiumoxid, Zirkondioxid und Titandioxid, sowie komplexe Oxide wie Spinelle.

Für die klinische Eignung einer Keramik zur Herstellung einer vollkeramischen Restauration müssen neben der Erfüllung der einschlägigen Normen vor allem die physikalisch-chemischen Eigenschaften bewertet werden. Dies sind die Biegefestigkeit, die Bruchzähigkeit, der Weibull-Modulus, die unterkritischen Rißwachstumsfaktoren, die Dauerfestigkeit unter Wechsellast und die Rißkorrosion durch Wasser sowie die Konditionierbarkeit für Verbundsysteme.

Prinzipiell können Keramiken geklebt (adhäsiv befestigt) oder einfach zementiert werden. Die hohen Frakturraten früherer Vollkeramiksysteme haben gezeigt, daß Keramiken mit Biegefestigkeiten unter 200 MPa für zementierte Krone und Brücke nicht geeignet sind. Für Keramiken mit hoher Festigkeit liegen positive klinische Daten vor.

Demgegenüber zeigen Silikatkeramiken mit Festigkeiten unter 200 MPa als Adhäsivrestaurationen (also geklebte Keramiken) gute Überlebensraten. Es ist also zu unterscheiden zwischen konventionell zementierbaren Vollkeramikrestaurationen und adhäsiv zu befestigenden Vollkeramikrestaurationen.

Konventionell zementierbare Vollkeramikrestaurationen

Konventionell zementierte Restaurationen werden mechanisch durch Erhöhung der Reibung zwischen Restauration und präpariertem Zahn befestigt. Die Retention ist abhängig von der Festigkeit des Zements, der Oberflächenrauigkeit, der Größe und der Flächenneigung der Fügeflächen. Da kein kraft- und spannungsschlüssiger Verbund zwischen Restauration und Zahn besteht, hängt die Belastbarkeit von der Eigenfestigkeit der Restauration ab. Diese wird bestimmt von den physikalischen Eigenschaften der Keramik und der Geometrie der Restauration. Konventionell zementierte Restaurationen müssen deshalb möglichst hohe Festigkeitseigenschaften des keramischen Werkstoffs und materialadäquate Präparation mit optimaler Widerstands- und Retentionsform aufweisen.

Unter Beachtung der publizierten Langzeiterfahrungen der jeweiligen Systeme sind konventionell zementierte vollkeramische Kronen für das Front- und Seitenzahngebiet wissenschaftlich anerkannt. Bei Brücken treten unter Last grundsätzlich Biegemomente auf, die Zugspannungen zur Folge haben. Die Keramik muß deswegen eine möglichst hohe Bruchzähigkeit aufweisen. Die für vollkeramische Kronen dargelegten Präparationsregeln sowie die Herstellervorschriften für die Gerüstgestaltung sind strikt zu befolgen. Die geforderten Mindestdimensionen sind jedoch klinisch nicht immer zu realisieren. Auch fehlen pragmatische Meßverfahren der erreichbaren Dimensionen und der auftretenden Belastungen.

Grafik von Keramikinlay geklebt auf einen Zahn

Bonding

Adhäsive keramische Restaurationen

 

Adhäsivrestaurationen sind dadurch gekennzeichnet, daß sie durch einen kraftschlüssigen, reproduzierbaren und dauerhaften Verbund an der Zahnhartsubstanz verankert werden. Dies führt zu einer erheblichen Erhöhung der Belastbarkeit. Voraussetzung für einen Verbund ist die Adhäsivtechnik an der Zahnhartsubstanz, die Konditionierung der keramischen Fügefläche (Ätzung mit Flußsäure, Silanisierung) und die Verwendung eines Kunststoff-Komposits als Adhäsivmedium. Dentinkonditionierer sind für den Verschluß eröffneter Dentintubuli notwendig (Verhinderung postoperativer Beschwerden) und können zum Verbund beitragen. Anzustreben sind möglichst große Fügeflächen im Zahnschmelz. Die Präparation soll schmelzbegrenzt sein, da für dentinbegrenzte Adhäsivrestaurationen keine hinreichenden klinischen Daten vorliegen.

Kriterien für adhäsive keramische Restaurationen sind: defektbezogene, schmelzbegrenzte Präparation, gerundete innere Linien- und Kantenwinkel, keine mechanische Retention, adhäsive Aufbaufüllungen aus Komposit zur Erzielung gleichmäßiger Schichtstärken, adhäsives Befestigen unter streng kontrollierten Bedingungen (z. B. Kofferdam). Der klinische Aufwand ist durch die Präparationsziele, provisorische Versorgung (wenig mechanische Retention) und die zeitintensive Adhäsivtechnik wesentlich höher als bei konventionellen Gußrestaurationen.

Für folgende Indikationen liegen hinreichend klinische Daten vor, um sie als wissenschaftlich anerkannt einzustufen:

  • adhäsive keramische Einlagefüllungen (Inlay)
  • Veneers
  • adhäsive Teilkronen
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