Zahnimplantate sowie Knochenaufbau

 

saggital Schnitt durch Kieferknochen Grafik des Oberkiefersbelsky

 

Kieferknochenaufbau

Wenn für Zahnimplantate zu wenig Knochen vorhanden ist, dann kann durch eine Knochenaufbauoperation wieder ein ausreichendes Knochenlager geschaffen werden.

Des Öfteren wird nach länger bestehenden Zahnverlust oder Entzündungsherden die Diagnose „Alveolaratrophie“, also der Verlust  des zahntragenden Knochenteiles des Ober- oder Unterkiefers gestellt.

Auf dem übriggebliebenen Kieferknochen ist eine erfolgreiche Setzung von Zahnimplantaten meist nicht mehr möglich, da Nerven oder Nasennebenhöhlen beeinträchtigt werden würden. Die Lösung ist der Knochenaufbau, der mit körpereigenen oder Fremdmaterial durchgeführt werden kann. Es existieren verschiedene Knochenersatzmaterialien – hier ein kleiner Überblick.

Eine grobe Faustregel – umso ähnlicher der Spenderknochen zum menschlichen ist, umso besser heilt er ein. Am besten heilt also eigener Knochen ein – wenn der Knochenblock nicht eine gewisse Größe überschreitet.

Ab einer bestimmten Größe ist es besser auf gereinigten Spenderknochen zurückzugreifen. Entweder nimmt man gereinigten menschlichen Knochen – zurzeit das Beste, oder aber  man verwendet tierischen Knochen – z.B. vom Rind. Danach kommen andere Knochenersatzmaterialien wie z.B. von der Alge. Synthetischer Knochen heilt am langsamsten ein, wobei hier nach wie vor intensiv geforscht wird.

Die Besiedelung von Spenderknochen mit Ihren Zellen bringt gar nichts. Effizienter ist es, den Spenderknochen z.B. mit Ihrem Blut zu vermengen – das reicht in der Regel völlig aus, dies dient hauptsächlich der besseren Verarbeitung während der Operation, ob es zu Einheilung was nützt ist fraglich.

Es existieren zwar eine Menge Studien über diese Themen in der Fachwelt, jedoch sind die meisten Studien inhaltlich schlecht aufgebaut, entsprechen somit nicht den Evidence based Medicine Richtlinien. Zudem werden viele der Knochenaufbaumaterialien von Ärzten selbst vertrieben und so hat jeder sein Favorit, Objektivität kommt hierbei häufig zu kurz!

 

Implantatgewinde im KnochenCheck Dent

Implantatgewinde Knochen

Fremdes menschliches Knochenmaterial für Knochenaufbau?

Welches Knochenersatzmaterial wir uns auch von ethischer Seite wünschen, es muss gesagt werden, dass biologisches Material derzeit weitaus bessere Endergebnisse erzielt als synthetisches Ersatzmaterial.

Körpereigenes Material ist aber mit zusätzlichen Operationen verbunden, wodurch sehr oft auf Fremdmaterial zurückgegriffen wird.  Woher stammen menschliche Knochenprodukte? Menschlicher Knochen- oder allgemein Gewebe wird in der Regel von Leichen oder als Nebenprodukt von Operationen (z.B. bei Schenkelhalsbrüchen) gewonnen. Die Gewebe- und Knochenentnahme wird durch Gesetze üblicherweise streng geregelt und überwacht. So ist es zum Beispiel nicht möglich Material, das bei einer Operation anfällt, ohne Einwilligung des Patienten zu verwenden, da es rein rechtlich gesehen „Eigentum“ des Patienten ist.

Bei Toten sieht die Rechtslage je nach Land unterschiedlich aus. Viele Länder haben eigene Spenderregister, in die sich Menschen zu Lebzeiten eintragen müssen, damit ihnen nach ihrem Tod Organe und Gewebe entnommen werden dürfen.

Andere Staaten gehen den gegenteiligen Weg. Sie besitzen ein Widerspruchsregister, d.h. grundsätzlich dürfen von jedem Verstorbenen Organe und Gewebe entnommen werden, solange er/sie sich zu Lebzeiten NICHT in das Widerspruchsregister eintragen ließ.

Diese Tatsache mag Ihnen makaber erscheinen, doch es liegt auf der Hand, dass durch diese Vorgehensweise weitaus mehr Organe und Gewebe verfügbar sind und dadurch Menschenleben durch Organtransplantationen und Krankheiten durch Gewebetransplantationen gerettet/gelindert werden können. Nebenbei erwähnt dürfen solche „Entnahmen“ nur von staatlich gemeldeten und kontrollierten Institutionen durchgeführt werden!

Was passiert wenn Zahnimplantate in die Kieferhöhle ragen – ohne Knochenaufbauoperation?

Im Oberkiefer ist aufgrund von z.B. langer Zahnlosigkeit und/oder Parodontitis häufig zu wenig Kieferknochen vorhanden. Eine Knochenaufbau Operation – ein sogenannter Sinuslift -  ist dann vor der Implantation durchzuführen.

Trotz genauer Planung kann es vorkommen, dass Implantate in die Kieferhöhle ragen. Wichtig ist, dass Sie informiert werden, viele Patienten bekommen die Zahnimplantate gesetzt und wissen gar nicht, dass die Kieferhöhle dabei verletzt wurde.

Die Gefahr in solchen Situationen ist, dass wenn es zu einer Nasennebenhöhlen Entzündung kommt, z.B. im Zuge eines banalen Schnupfens, die Implantate aufgrund der fehlend schützenden  Knochenschicht infiziert werden könnten. Das kann dann zum Implantatverlust führen.

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