Gesichts- und oder Kopfschmerzen

 

Mann mit Schmerz verzerrtem GesichtJames Group Studios - Fotolia

 

Kopfschmerzen

Mehr als 2/3 der Bevölkerung leiden in Ihrem Leben einmal an Kopfschmerzen!

Diese 2/3 setzen sich zusammen aus

  • ca. 38% Spannungskopfschmerzen
  • ca. 27% Migränekopfschmerzen
  • ca. 6% selteneren Kopfschmerzformen

Viele Studien gehen davon aus, dass der Spannungskopfschmerz mit 63-86% die vorherrschende chronische Kopfschmerzform ist, gefolgt von der Migräne. Insgesamt entfallen also über 90% der Kopfschmerzerkrankungen auf die beiden primären Kopfschmerzformen Migräne und Spannungskopfschmerzen. Häufig kommen die verschiedenen Kopfschmerzformen auch kombiniert vor. So haben z.B. viele Migränepatienten auch gleichzeitig Spannungskopfschmerzen. Der Spannungskopfschmerz findet sich etwas häufiger bei Frauen und bei Patienten mit bekannten Kopfschmerzerkrankungen in der Familie. Sekundäre, d.h. auf anderen Erkrankungen beruhende Kopfschmerzen sind wesentlich seltener, bei den meisten Patienten, die mit Kopfschmerzen einen Hausarzt aufsuchen, liegen also keine ernsthaften Ursachen vor. Durch die ärztliche Befragung der Patienten können die verschiedenen Formen gut unterteilt werden. Die Befragung sollte beinhalten:

Wie ist die Schmerzqualität

  • Zeitlich: seit welchem Alter, seit wann vermehrt, von Tageszeit abhängig, Dauer, Frequenz, Intervalle, Periodik
  • Lokalisation: halbseitig, diffus, auf einen Bereich beschränkt, konstante Lokalisation oder wechselnden Charakter
  • Intensität: pulsierend, hämmernd, pochend, dumpf, drückend, stechend, zuckend, tief, oberflächlich, Allgemeinbefinden eingeschränkt
  • Auslöser: Kopfhaltung, Husten, Pressen, Nahrungsmittel, Medikamente, Lage abhängig (Stehen, Liegen), Licht, Wetterwechsel, Umwelteinflüsse, Menstruation, psychische Einflüssen


Gibt es lindernde Faktoren

  • Medikamente, Dunkelheit, Ruhe, Liegen, Schlaf, Kaffee

Kommen Begleitsymptome vor

  • Lichtscheu, Flimmern, sensorische (Miss-)Empfindungen, Übelkeit, Erbrechen, Herzklopfen, Schwindel, Ohrensausen, Ohnmacht, psychische Veränderungen, Rötung von Gesicht und Augen, Bewusstseinsstörungen, neurologische Ausfälle, Blutdruckschwankungen, Nasenlaufen, Tränen, Schwitzen, gehäuftes Wasser lassen

Sind Vorerkrankungen bekannt

  • Trauma von Kopf oder Halswirbelsäule
  • hoher oder niedriger Blutdruck
  • Erkrankungen von Augen, Ohren, Zähnen, Nasennebenhöhlen
  • bekanntes Anfallsleiden
  • Stoffwechselerkrankungen
  • vegetative Erkrankungen/Störungen (Schlaf, Verdauung)
  • Genuss- und Suchtmittel, Medikamente
  • psychische Komponenten: Nervosität, Angst, Depression, Überlastung, Erschöpfung; Lebensumstände, Tagesablauf, Arbeitsplatz und –atmosphäre

Gibt es eine auffällige Familienanamnese

  • Nervenkrankheiten
  • familiäre Kopfschmerzbelastung
  • bisher durchgeführte Kopfschmerzdiagnostik mit Ergebnissen
  • bisherige Kopfschmerzbehandlung: Medikamente / Schmerzmittel (Dosis, Dauer, Therapieerfolg)

Was ergibt die körperliche Untersuchung

  • Allgemeinsymptome: Atemnot ja/nein; vermehrtes Schwitzen; Einflussstauung, Ödeme, Lymphknotenschwellungen, Hautveränderungen, Durchblutungsstörungen; Tremor, Alkoholgeruch, Temperaturerhöhung
  • Brustkorbuntersuchung: Herz- und Lungenauskultation, -perkussion; Herzgeräusche, -rhythmusstörungen, Emphysem, Lungenstauung
  • Blutdruckmessung beidarmig: Hyper-/Hypotonie, Pulsstatus, Seitendifferenz
  • Gefäßstatus: Verhärtung, Strömungsgeräusche
  • HWS und Nacken: Beweglichkeit, verhärtete Muskulatur
  • Gesicht, Rachen, Kopf: Kalottenklopfschmerz, Verletzungen, Hämatome, Entzündungen, Knochenveränderungen, Narben
  • Zahnstatus, Zahnprothese, Kauakt, NNH: Druck- oder Klopfempfindlichkeit
  • Augen: Bulbustonus (Betasten des Bulbus), Fundus (Augen-Hintergrundspiegelung), Visus (Fingerzählen); Erhöhter Augeninnendruck, Stauungspapille, hypertensive Retinopathie, Visusminderung
  • Ohren: Gehör, Gleichgewichtssinn

Die neurologische Untersuchung sollte folgende Bereiche umfassen

  • Prüfung auf Meningismus
  • Kernig, Lasègue,
  • Hirnnervenaustrittspunkte
  • Paresen, Strabismus, Nystagmus, Doppeltsehen, Anisokorie, Pupillenreaktionsstörung (Pupillenweite, Reaktion auf Licht, Konvergenz)
  • Gesichtsfeld (Fingerperimetrie)
  • Gesichtsfelddefekte
  • Muskeltonus mit Seitenvergleich
  • grobe Kraft (Passives Durchbewegen der Arme und Beine, Vorhalten der Arme mit supinierten Händen, frei gehaltenen Beine): Paresen, Kraftverlust
  • Reflexe (Eigenreflexe, Bauchhautreflexe, Babinski)
  • Seitendifferenz, Reflexverlust, Pyramidenbahnzeichen
  • Koordination (Finger-Nasen-Versuch, Knie-Hacken-Versuch, Diadochokinese, Gang, Romberg-Versuch)
  • Sprache
  • psychischer Befund
  • Bewusstseinslage, Orientierung, Denk-, Konzentrations- und Merkfähigkeit, Auffassungsgabe, Aufmerksamkeit, Antrieb, Stimmung, Emotionalität, Depression, Angststörung, Suizidalität, Schmerz- und Stressverarbeitungsstil

Anhand dieser genauen Befragung können die meisten Kopfschmerzcharaktäre gut eingegrenzt werden, Kopfschmerzen sind zwar häufig, jedoch sind die Ursachen nachwievor meistens ungeklärt. Deshalb ist es wichtig, dass der Arzt durch genaue Befragung und Untersuchung alle bekannten Ursachen ausschließt, damit so schnell wie möglich die richtige Therapie ergriffen wird. Anhand obiger Auflistung soll Ihnen das Ausmaß dieser Krankenbefragung verdeutlicht werden.

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