Parodontitis - Ursache und Folgen

Patient mit Parodontitisbelsky

Parodontitis

Die Begriffe Parodontose, Parodontopathie und Parodontitis leiten sich jeweils von dem Wort "Parodont" ab. Darunter versteht man den Zahnhalteapparat, d.h. das Verankerungssystem des Zahnes im Knochen (paro = um herum, dont = Zahn).

Der Zahnhalteapparat setzt sich aus Zahnfleisch, Knochen, Wurzelhaut und Wurzelzement zusammen.

Alle entzündlichen Erkrankungen des Parodonts, die in allen Altersstufen und in verschiedenen Formen auftreten können, bezeichnet man medizinisch korrekt als Parodontitis. Sie können unterschiedlich rasche und tief reichende Zahnbettzerstörungen mit Zahnverlust hervorrufen. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird für die Zahnfleischentzündung oft die medizinisch nicht zutreffende Bezeichnung "Parodontose" verwendet.

Lange konnte man keine Bakterien aus den Zahnfleischtaschen isolieren, denn man züchtete die Keime unter Sauerstoff. Dies Bakterien kommen aber in den Zahnfleischtaschen vor, da sie die dort herrschenden sauerstoffarmen Bedingungen schätzen. Der Trugschluss war: keine Bakterien, also Parodontose. Erst durch molekularbiologische Methoden konnte man DNA von Bakterien nachweisen, später gelang dann auch die Züchtung unter sauerstoffarmen Bedingungen. Es handelt sich also doch um Parodontitis.

In der Medizin bedeutet die Endung –itis eine Entzündung, -ose hingegen steht für eine stoffwechselbedingte degenerative Störung. So bedeutet Arthrose eine Gelenkdegeneration. Etwa in Folge einer Fehlbelastung des Gelenkes kommt es zu Stoffwechselstörungen im Knorpel mit nachfolgendem Knorpelabbau. Eine Arthritis hingegen bedeutet Gelenksentzündung, z.B. durch Bakterienkontamination einer Wunde nach einem Unfall.

Dies ist keine Wortspielerei, jede dieser Diagnosen bedarf einer speziellen Therapie, z.B. wird die Arthrose mittels spezieller Bewegungstherapie und die Arthritis mit Antibiotika therapiert. Im Zahnhalteapparat existieren nur entzündliche Erkrankungen.

Ursache und Folgen

Wie bei der Karies, bei der die zuckerspaltenden und säureproduzierenden Bakterien von Bedeutung sind, treten auch bei den Entzündungen des Zahnhalteapparats Plaquebakterien auf. Durch diese Entzündungen geht unweigerlich und meist schmerzlos Knochen verloren. Funktionsstörungen im Kausystem, Störungen im allgemeinen Stoffwechsel, Stress, Alkohol- sowie Nikotinmissbrauch und mechanische Traumen (z.B. zu hohe Füllungen) können den Krankheitsverlauf zusätzlich negativ beeinflussen.

Unbehandelt mündet die Parodontitis durch fortlaufenden Gewebeabbau in einen frühzeitigen Zahnverlust. Zudem wirkt sich diese lokal chronische Entzündung negativ auf das ganze System, den Körper, aus. Verschlechterungen der Blutzuckerkontrolle bei Diabetikern, Gelenksentzündungen und Frühgeburten bei Schwangeren können die Folge sein. Bei der Arteriosklerose wird die Parodontitis als Mitverursacher (Cofaktor) diskutiert. Bei Patienten mit Neigung zur Thrombenbildung besteht die Gefahr der Bakterienverschleppung und somit zur Entzündungsbildung.

Verlauf

Die Parodontitis ist mit Ausnahme von verschiedenen akuten Zahnfleischsaumentzündungen, Gingivitis genannt, in der Regel l eine chronische Erkrankung. Dies schließt jedoch nicht aus, dass sie immer wieder in Schüben aufflammen, d.h. in einen akuten Prozess übergehen kann. Akute Krankheitszeichen, wie Hyperplasien, also Überschussbildungen des Gewebes oder akut eitrige Prozesse sind aber selten und werden natürlich leichter von dem betroffenen Patienten erkannt.

Die chronisch generalisierte Parodontitis, also jene die am häufigsten auftritt, verursacht keine oder nur wenige Symptome. Einige Patienten bemerken einen veränderten, sehr speziellen, mitunter etwas süßlichen Mundgeruch. Er ist oft ein Indiz für Taschenbildung bzw. die Bakterienvermehrung. Manche geben leichtes Zahnfleischbluten beim Zähneputzen an, andere wiederum nicht. Viele Patienten reduzieren aus Angst vor erneuten Blutungen das Zähneputzen, wodurch das Fortschreiten der Parodontitis leider gefördert wird.

Vorläufer von Taschenbildung und Knochenabbau sind rötliche, geschwollene und vor allem leicht blutende Schleimhautareale. Zudem können weitere Veränderungen, wie spaltförmige Einziehungen oder eine hervortretende derbe Randverdickung im Zahnfleischsaum auftreten.

Bei einem schleichenden Verlauf der Krankheit, einem schmerzfreien, unbemerkten Verlust des dentalen Stützgewebes, besteht die Möglichkeit, dass erst so genannte Spätsymptome wie Zahnbeweglichkeit, Zahnwanderung und Zahnlockerung das Augenmerk des Patienten auf das parodontale Geschehen lenken. In den meisten Fällen kann erst der Zahnarzt rechtzeitig eine Zahnbetterkrankung erkennen.

Gesundes Zahnfleisch hat eine straffe, girlandenförmige Anlagerung am Zahn sowie eine rosafarbene, leicht getüpfelte, gleichmäßige Oberfläche und blutet auch bei Sondierung nicht!

Grafik von Zahn mit KnochenCheck Dent

Parodontologie

Diagnose und Therapie

Die Diagnose „Parodontitis“ stellt der Zahnarzt nach einer speziell auf das Parodont fokussierten Befunderhebung. Für die Therapiefindung unumgänglich sind eine eingehende Befragung und verschiedene Tests bezüglich des Putzverhaltens und des Zahnfleischzustandes. Sie geben dem Zahnarzt Aufschluss über Plaquebesiedelung, Putzqualität, Stützgewebsverlust und Entzündungszustand. Mit Hilfe von speziellen röntgenologischen Aufnahmen wird der Knochenabbau zusätzlich dokumentiert und Störfelder unterhalb der Schleimhaut z.B. in Form von Ablagerungen (Konkrementen), überstehenden Kronenrändern etc. abgeklärt. Anhand der Daten wird die Diagnose gestellt und eine entsprechende Therapie eingeleitet.

Vorweg - die Parodontaltherapie sollte nicht mit einer herkömmlichen Mundhygiene verwechselt werden!

Die Mundhygiene dient vorwiegend der Ästhetik und der Prophylaxe, eine Mundhygiene wird nur bei Gesunden durchgeführt.

Am Beginn der Therapie werden nicht erhaltungswürdige Zähne extrahiert, nötige Wurzelbehandlungen durchgeführt oder erneuert. Danach erfolgt eine intensive Reinigungsphase.

In dieser Reinigungsphase werden Konkremente und Taschengewebe entfernt, zudem wird die Wurzeloberfläche geglättet. Dies erfolgt schmerzfrei mit einer Lokalanästhesiesalbe und speziellen Instrumenten. Da solch eine gründliche Reinigung sehr Zeitintensiv ist, es müssen ja alle Flächen der Wurzeln gereinigt werden, erfolgt diese so genannte Initialtherapie meist in zwei bis vier Sitzungen. In der Regel erfolgt acht Wochen nach der letzten Initialtherapie die so genannte Reevaluation, es werden wieder Daten gesammelt.

Plaque- und Blutungswerte sollten nun um 20% liegen, eine anfänglich vorhandene Mobilität der Zähne sollte abgenommen haben. Die Sondierungstiefen sollten zudem deutlich reduziert sein. Die Durchführung einer kompletten Reevaluation ist nur sinnvoll, wenn die Hygieneindices des Patienten um die 20% liegen, da bei schlechter Hygiene die vollen Heilungskapazitätennicht ausgeschöpft werden können. Die Basistherapie wird daher solange fortgesetzt, bis die entsprechende Plaquekontrolle erreicht ist. Anhand der gewonnen Daten wird entschieden, ob weitere Interventionen notwendig sind oder gleich eine parodontale Langzeitbetreuung - Recall eingeleitet werden kann.

Dieses Therapieschema entspricht internationalem Standard und wird von führenden parodontologischen Gesellschaften empfohlen. Ein Speicheltest zur Bestimmung der Bakterienflora in den Zahnfleischtaschen sollte erst nach der Reevaluation und, wenn das Therapieziel nicht erreicht wird, durchgeführt werden. Vorher hat es keinen Sinn, denn auf eines können Sie sich vor der Parotherapie sicher verlassen: Sie haben Bakterien in den Taschen, sonst hätten Sie ja keine Entzündung. Auch chirurgische Interventionen, wie Flap-Operationen, sollten erst nach der konventionellen Paro-Therapie und entsprechenden Hygieneindices erfolgen, denn ohne entsprechende Verhaltens-/ Putzänderung Ihrerseits ist ein Wiederaufflackern der Erkrankung gewiss!

Prognose

Wenn trotz verbessertem Putzverhalten des Patienten keine Reduktion der Sondierungstiefen und keine Aktivitätszeichen erreicht wurden, sollte sich der Arzt folgende Fragen stellen:

* War die Qualität der Reinigung ausreichend?

* War die ursprüngliche Diagnose richtig?

* Liegen bisher unerkannte systemische Probleme

(latenter Diabetes, chronische Infektion, Einnahme von spezifischen Medikamenten usw.) vor?

* Gibt es lokale Faktoren, wie zum Beispiel massive Zahnfehlstellungen/-anomalien,

überstehende Füllungs- und Kronenränder, die zu einer Beeinträchtigung der Resultate führen?

* Erfordern spezielle Parobakterien eine andere systemische antibiotische Therapie?

Die Therapie der Parodontitis heißt die Symptome der Erkrankung, ihre Ursachen und alle erkrankungsfördernden Faktoren zu bekämpft. Die Hauptziele sind die Beseitigung der Mikroorganismen, die die Entzündung verursachen, die Herstellung eines sauberen Zahnes, einer sauberen, möglichst glatten bioakzeptablen Wurzeloberfläche und die Entfernung erkrankten, infizierten Gewebes. Diese Grundvoraussetzungen können nur durch eine optimale Einstellung des Patienten zu seiner Mundgesundheit erzielt werden. Der Patient muss Eigeninitiative zeigen und seine heimische Zahnpflege auf die Erkrankung einstellen. Die meisten Parodontopathien sind chronisch und begleiten die betroffenen Patienten zeitlebens.

Die Prognose muss individuell auf den Patienten abgestimmt werden und ist nur dann günstig, wenn die jeweilige Erkrankung frühzeitig erkannt wird und notwendige Therapiemaßnahmen erfolgen. Mit täglich korrekt durchgeführter Zahn- und Mundpflege und regelmäßigen zahnärztlichen Kontrollen steht einem positiven Verlauf jedoch nichts im Wege.

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