Homöopahtie, alternativ Medizin, orthomolekulare Medizin

homöopathische Kapsel auf Minzblattundefiniert - Fotolia

Homöopathie

Hier ein paar Fakten

Es gibt sehr viele Volksweisheiten und zudem noch viel Unsinn seitens von Ärzten, Pharmaindustrie und Apotheken. All dieses Wissen vermengt sich zu einem Haufen von Halbwahrheiten, Humbug und Unsinn, hier ein kleiner Auszug.

Zähne putzen mit Backpulver?

Wie soll man richtig putzen – vorweg, elektrische Zahnbürsten mit oszillierenden Rotationskopf sind herkömmlichen Zahnbürsten bei der Entfernung von Belag und dem Schutz vor Zahnfleischentzündungen leicht überlegen. Es darf aber nicht vergessen werden, dass die Zahnbürste nur ein Werkzeug in Ihren Händen ist. Sie kann nur die Zähne reinigen, zu denen Sie sie “hinführen”. Bedenken Sie auch, dass jeder Zahn mehrere Flächen besitzt – eine Tatsache die nur allzu leicht vergessen wird. Putzen Sie deshalb die “schwierigen” Stellen zuerst! Beginnen Sie mit den Innenflächen im Unter- und Oberkiefer. Danach sind die Außenflächen an der Reihe. Zum Schluss putzen Sie die Kauflächen. Am Anfang kann das entzündete Zahnfleisch unter Umständen stark bluten. Bitte putzen Sie trotzdem weiter. Verwenden Sie keine abrasiven Stoffe wie Backpulver, damit wird der Zahn zwar sauber, jedoch wird vom Zahnschmelz sehr viel abgetragen, sodass nach einigen Jahren nicht mehr viel da ist vom Zahn!

Zuckerentzug als Heilmittel gegen Hefepilzbefall?

Derzeit ist ein ein Pilz in aller Munde: Candida, ein Hefepilz! Bei 50 – 80% der gesunden Menschen findet sich dieser Pilz im Mund und restlichen Verdauungstrakt. Werden größere Mengen dieses Pilzes im Stuhl gefunden spricht man umgangssprachlich von einer “Candida-Überwuchung”. Diese steht im Verdacht die im Darm stattfindente Nahrungsaufnahme von Wasser, Zucker und Natrium zu stören und Durchfall (Diarrhoe) zu verursachen. Gesunde Menschen leben im Gleichgewicht mit Pilzen und Bakterien. Wie dieses Gleichgewicht aussehen kann und wie sich eine Störung manifestiert, können Sie im Videoclip Karies sehen.

Das Gleichgewicht kann durch äußere Einflüsse wie Ernährung, Lebensumstände, fehlende Hygienemaßnahmen oder Arzneimittel (z. B. Antibiotikabehandlung) empfindlich gestört werden.

Als spekulativ, also wissenschaftlich nicht abgesichert, gilt die Aussage, dass der Verzehr von einfachen Kohlenhydraten (Zucker) die Besiedelung von Candida albicans fördert. Die Theorie, die dahinter steckt: Mit dem Speichel bzw. der Nahrung gelangt der Pilz weiter in den Magen, den er aufgrund seiner Säureresistenz ohne Probleme passieren kann und soll somit eine Besiedelung des Darms begünstigen. Obwohl dies nur eine Theorie ist, spucken entsprechende Behandlungsvorschläge (Anti-Pilz-Diät) noch immer in Internet, Kliniken und Arztpraxen herum.

Hauptkritikpunkt an dieser wissenschaftlich nicht gesicherten kohlenhydratarmen Diät ist die Einschränkung am Obstverzehr über längere Zeit, die folglich zu einer Unterversorgung sämtlicher Nährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe, sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe) führt. Stoffe, die für die Gesunderhaltung des Immunsystems eine wichtige Rolle spielen und daher in der täglichen Ernährung nicht fehlen sollten.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass eine zuckerarme Ernährung keinen Nachteil besitzt, solange andere wichtige Nahrungsmittel (wie Obst) weiter zugeführt werden. Einen wissenschaftlichen Beleg für die Wirksamkeit der kohlenhydratarmen Kost gegen “Candida-Überwucherung” gibt es jedoch derzeit nicht!

Dritte Zähne aus dem Reagenzglas, was ist wahr dran?

Gipsmodelle für die Prothetikbelsky

Prothetik

Wahr ist, dass das noch etliche Jahre dauern wird – wenn überhaupt. Ein Gen mit dem Namen Osr2 codiert für ein Protein welches sich „odd-skipped-related 2 Protein“ nennt, diesem Gen verdankt der Mensch, dass die Zähne in einer Reihe angeordnet sind.

Zu diesem Schluss kommen Genetiker an der Universität Rochester. Diese Forschungen könnten dazu beitragen dass eines Tages das nachwachsen ausgefallener Zähne erreicht wird und die Ausprägung des Geburtsfehler Mund-/Kiefer-/Gaumenspalten verhindert wird. Wird dieses Gen bei Mäusen aktiviert, dann wachsen Zähne nach! Frühere Untersuchungen konnten bereits zeigen, dass dasselbe Gen auch beim Menschen aktiv ist. Besonders spannend ist dabei, dass der zusätzliche Zahn einem Gewebe entspringt, welches normalerweise keine Zähne bildet! Die Forscher spekulieren, dass die genauen Kenntnisse des Auslösers für das Zahnwachstum eines Tages auch bei Erwachsenen verlorene Zähne wieder nachwachsen lassen möglich macht. Obwohl alle Säugetiere nur eine Zahnreihe besitzen gibt es viele andere Wirbeltiere, denen mehrere Zahnreihen wachsen!

Placebo – es wirkt, aber wie?

Ein Placebo ist ein Scheinarzneimittel, welches keinen Arzneistoff enthält und somit auch keine durch einen solchen Stoff verursachte pharmakologische Wirkung haben kann! Im erweiterten Sinn werden auch andere Scheininterventionen als Placebo bezeichnet, beispielsweise Scheinoperationen.

Forscher haben nachgewiesen, dass das Schmerzempfinden beim Übergang von der Haut ins Rückenmark geblockt wird, wenn ein Mensch keinen oder weniger Schmerz erwartet. Es gibt viele verschiedene Wege, über die psychologische Faktoren unsere Schmerzwahrnehmung beeinflussen können: zum Beispiel die Lenkung der Aufmerksamkeit, Hypnose oder eben der sogenannte Placebo-Effekt. Doch welche neurobiologischen Mechanismen sorgen dafür, dass die Schmerzempfindung reduziert wird? Forscher konnten nachweisen, dass ein Placebo-Effekt mit einer verringerten Nervenzellaktivität im Rückenmark einhergeht. Bisher lieferten Neurowissenschaftler für den Placebo-Effekt diese Erklärung: Der Glaube an die Wirksamkeit eines Schmerz-Medikaments führt im Gehirn zur Ausschüttung von endogenen Opiaten – auch Endorphine genannt. Dies passiert sowohl in der beim Menschen besonders ausgeprägten frontalen Großhirnrinde, wie auch in evolutionär älteren Arealen im Hirnstamm. Die Ausschüttung dieser endogenen Opiate geht mit einer verminderten Schmerzwahrnehmung und einer entsprechend geringeren Antwort von Nervenzellen in schmerzverarbeitenden Hirnarealen einher.

Wie diese Opiatausschüttung und die Reduktion der Schmerz-relevanten Nervenzellaktivität zusammenhängen, war bisher ungeklärt. In einer früheren Studien konnte gezeigt werden, dass Placebo-Effekte – also eine verringerte Schmerzwahrnehmung trotz physikalisch gleicher Stimulation – mit einer verstärkten endorphinergen Kopplung zwischen frontalen Arealen der Großhirnrinde und dem Hirnstamm einhergehen. Jüngste technische Entwicklungen ermöglichten es nun, mittels hochauflösender kernspintomographischer Aufnahmen des menschlichen Rückenmarks nachzuweisen, dass ein Placebo-Effekt mit einer verringerten Nervenzellaktivität im Rückenmark, der ersten Station des Zentralnervensystems, einhergeht. Somit konnte gezeigt werden, dass psychologische Faktoren der Schmerzmodulation tief im Hirn verwurzelt sind.

Die Tatsache, dass solche Einflüsse im menschlichen Rückenmark messbar sind, ist auch für klinische Studien zur Testung von neuen Medikamenten relevant, da man somit deren Effektivität und Wirkungsort genauer untersuchen kann.

Hand mit Öl von Krug

Öl ziehen

Öl ziehen, bringt das was?

Beim „Ölziehen, Ölsaugen oder Ölkauen“ soll ein Esslöffel kaltgepresstes Sonnenblumenöl etwa zehn bis 20 Minuten langsam im Mund hin und her bewegt und zwischen den Zähnen durchgezogen werden. Dieses Öl soll anschließend ausgespuckt und der Mund mit Wasser ausgespült werden. Das ganze solle den Empfehlungen zufolge am besten morgens etwa acht bis 14 Tage lang erfolgen. Olivenöl, Sesamöl und diverse andere Pflanzenöle sind von anderen Quellen empfohlen worden.

Das zugrundeliegende Krankheitsmodell, nachdem sich “Gifte” und “Schlacken” im Körper anhäufen, welche entfernt werden müssten, ist von der Medizin seit dem 18. Jahrhundert aufgegeben worden; in der Alternativmedizin ist es jedoch noch immer sehr verbreitet.

Die Wirksamkeit der Therapie ist nicht belegt, die Literaturangeben als Nachweisquelle sind ungenau oder fehlen! In Wikipedia ist zu lesen:

„Die offenbar nur im deutschsprachigen Raum kursierenden Behandlungsempfehlungen lassen sich auf zwei Publikationen in den Zeitschriften Natur und Heilen (Autor: Günther W. Frank) und Natur und Medizin im Jahr 1991 zurückverfolgen. Beide Artikel berufen sich auf einen russischen Arzt namens Fedor Karach, welcher das Verfahren auf einem angeblichen “All-ukrainischen Kongress der Onkologen und Bakteriologen” vorgestellt haben soll. Karach wiederum habe die Ölkur von sibirischen Schamanen übernommen. Genaue Zeit- und Quellenangaben hierzu fehlen, zitier fähige Publikationen eines Doktor Karach liegen nicht vor.“

Hilfe, bin ich übersäuert – entsäuern Körper?

Entsäuern wir mal unseren Körper! Immer wieder hört man Werbebotschaften mit dem Slogan „Entsäuerung, entsäuern Körper, entgiften“. Sogar Universitätsprofessoren (Journal Stomatologie 07-08/10) erzählen von Übersäuerung aufgrund einer Parodontitis. In dem Beitrag wird dem Patienten geraten Spurenelemente, Basenpulver und Antioxidantien bei einer Parodontitis zu nehmen. Solche Berichte sind falsch, unseriös und dienen nur der Geldmacherei.

Kann unser Körper den überhaupt sauer oder basische werden? Ja das kann er, aber dann sind wir Tod. Unser Elektrolyt Gleichgewicht und der damit verbundene pH Wert wird engmaschigst von Niere und Lunge reguliert. Der Normalwert befindet sich zwischen pH 7,35-7,42. Eine pH Wert Entgleisung nach oben oder unten ist mit dem Leben nur für kurze Zeit vereinbar, starke Entgleisungen führen sofort zum Tod, denn die Proteine im Blut fallen dabei aus, sprich sie verlieren ihre dreidimensionale Form – verklumpen (koagulieren) und sind somit für den Organismus unbrauchbar. Ähnliches geschieht bei der kochenden Hühnersuppe wenn sich der braune Belag an der Oberfläche bildet – es handelt sich um koagulierte Proteine. Wir können Sie also beruhigen, wenn Sie diesen Artikel lesen können, dann sind Sie sicher nicht übersäuert – vielleicht nur sauer, aber das hat vermutlich andere Gründe!

Urintherapie, wieso glauben so viele daran?!

Was ist dran an der Urintherapie? An sich ist unser Urin frei von Mikroorganismen (Bakterien, Pilzen, Parasiten), frei von Viren und enthält normalerweise auch sonst wenig Stoffe mit immunologischem Potential – also Proteine. So gesehen ist unser Urin “fast” steril – außer bei Menschen mit Entzündungen der Harntrakts. Somit war Urin vermutlich das Sauberste was bei Landarbeitern vor hunderten Jahren am Feld für Wundreinigung zur Verfügung stand. Es war damals (nein heute nicht mehr) sicher vernünftig sich bei Verletzungen die Wunden mit Urin auszuwaschen, oder man pinkelt sich eben einfach selber drauf.

Urin enthält aber sehr viele Schadstoffe, das müssen gar nicht irgendwelche Schwermetalle sein, auch das normale Salz, welches im Urin enthalten ist, ist in diesem Fall ein Schadstoff, den der Körper dank Nieren mühsam nach außen befördert. So hält der Körper sein Gleichgewicht (Homöostase) aufrecht. Die Frage, wieso man dem Urin, den der Körper mühsam ausscheidet, positiv gesundheitliche Aspekte nachsagt, ist mit Logik nicht zu beantworten, wohl aber mit geschichtlichen Aspekten, wie oben beschrieben. Aufgrund des „sich auf Wunden pinkeln“ entwickelte sich auch das Urin trinken. Man findet diesbezüglich verschiedene Theorien, unabhängig von der Entstehungstheorie dieses Okkultismus, ist Urintrinken schädlich, sonst nix.

So oder so, glauben Sie es uns jetzt einmal einfach, wenn Sie eine Wunde haben, dann nehmen Sie z.B. Betaisodona und wenn Sie sich krank fühlen, dann trinken statt dem Urin ein kühles, sauberes Glas Wasser.

Kann ich verschlacken, soll ich meinen Darm entschlacken – geht das?

Nein! Unsere Darmschleimhaut erneuert sich alle 3-5 Tage, der Dünndarm ein wenig langsamer als der Dickdarm. Wie kann man sich das vorstellen – ganz einfach, die oberste Schicht der Darmschleimhaut besteht aus vielen kleinen Zellen, die übereinander gelagert sind. Die neuen Zellen werden in der Basalschicht gebildet und wandern von unten nach oben, dabei schieben die Neuen die alten Zellen sozusagen vor sich her. Je Ballaststoffreicher wir uns ernähren, desto mehr Zellen werden „abgerieben“ – wie eine Art Peeling. Nun wird klar, wieso sogenannte „Entschlackungskuren“ – wo nur Obst-/Gemüsesäfte tagelang getrunken werden, kontraproduktiv sind, denn der „Peeling Effekt“ der Ballaststoffe fällt damit aus.

Häufig werden Divertikel als „Verschlackung“ genannt. Divertikel sind Darmausstülpungen, diese führen aber ebenfalls nicht zu Verschlackung. Was sind Divertikel? So wie unsere Haut altert, altern auch unsere Organe, das Muskelnetz, welches die Darmschleimhaut umgibt bekommt Lücken, die Darmschleimhaut kann sich dazwischen vorstülpen – man spricht von Pseudodivertikel.

Stülpt sich die ganze Darmwand aus, also Schleimhaut samt Muskelschicht, dann spricht man von echten Divertikeln. Kot sammelt sich selten in den Dickdarmdivertikel, denn dazu sind diese zu klein, wenn doch, dann entzündet sich das ganze Geschehen meistens – Sie haben dann eine Dickdarmentzündung mit heftigen Schmerzen aber keine Verschlackung.

Das Geschäft mit Kot, Darm und entschlacken geht sehr gut, schon alleine die Wörter und die damit verbundene Thematik schreit nach „Verschlackung“. Redet man uns das dann auch noch recht lange ein, dann glauben wir daran, wir sind verschlackt!

Nur funktioniert unser Körper eben nicht so – keine Schlacke, kein Schadstoff Anstau, ergo keine Darmreinigung nötig!

Viele Menschen verwechseln die erhöhte Aufmerksamkeit (Vigilanz) im Hungerzustand als “Sauberkeit” und die Müdigkeit nach einem Essen (postprandiale Müdigkeit) als “Verschlackung”. Dabei sind das zwei ganz normale und alte vegetative Mechanismen unseres Körpers – keine Nahrung -> mehr Aufmerksamkeit -> bessere Jagd. Essen -> Müdigkeit -> Ruhe -> mehr Energie für die Verdauung/Verwertung. Vielleicht wäre die beste “Entschlackungstherapie” in den Industrieländern weniger, dafür ausgewogener zu essen, womit wir auch unseren Zähnen gut tun würden!

Orthomolekulare Medizin – Hoffnungsträger oder Geldpumpe der Nahrungsergänzungs-mittelindustrie?

Wieder ein neuer Hype auf dem Sektor der “ganzheitlichen, alternativen, oder eben der orthomolekularen” Medizin! Der Begriff „ orthomolekulare Medizin“ wurde erstmals  von Linus Pauling, einem amerikanischen Chemiker (1901-1994),  ins Leben gerufen.  Die orthomolekulare Medizin ist eine alternativmedizinische Methode, die davon ausgeht, dass die Bevölkerung an einer chronischen Mangelversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen leidet und Erkrankungen durch Zufuhr derselben verhindert/geheilt werden können.

Zum Zeitpunkt der aktivsten Zeit von Pauling, die in die Nachkriegszeit fiel (so gegen 1930) mag diese Theorie vielleicht zugetroffen haben (1 Weltkrieg 1914-1918), jedoch sprechen die Spitäler heute ein anderes Bild. Krankheiten wie Nachtblindheit (Vit. A Mangel), Rachitis (Vit. D Mangel), Myopathien (Vit. E Mangel), Beri-Beri (Vit B1 Mangel), Pellagra (Niacin Mangel), Skorbut (Vit. C Mangel) kennen die Ärzte in Europa nur aus den Lehrbüchern. Die Betten in unseren Spitälern sind belegt von Menschen, die unter dem sogenannten „Wohlstandssyndrom“ (heißt wirklich so) leiden. Darunter fallen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes Mellitus II, Arteriosklerose, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und die koronare Herzkrankheit.

Wir fressen uns also zu Tode, trotzdem glauben wir, wir hätten Mängel an Nahrungsmitteln, wieso? Eine mögliche  Geldpumpe Nahrungsergänzungsmittel? Ein Erfolgsfaktor der orthomolekularen Medizin mag in den enormen Umsätzen der durch diese Behandlung geförderten Industrie liegen. Einer FORSA (Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse)-Studie zufolge greift in Deutschland jeder Dritte zu Nahrungsergänzungsmitteln, wodurch ein  Jahresumsatz von über 1 Milliarde Euro, allein für Vitamin- und Mineralstoffpräparaten, geschätzt wird. Auch Pharmafirmen sind mittlerweile auf diesen Zug aufgesprungen. Wie bei vielen anderen alternativmedizinischen Methoden fehlen auch hier bis dato wissenschaftliche Studien, die die Wirksamkeit dieser Therapieformen bestätigen. Nichtsdestotrotz blüht das Geschäft mit orthomolekularen Ausbildungen und Behandlungsmethoden. Das geht sogar soweit, dass es Fortbildungsdiplome der Ärztekammern für „orthomolekulare Medizin” gibt. Was sollen uns unsere Ärzte da wohl vermitteln, Dinge, die noch nicht einmal mit Studien belegt sind – guten Studien, wir reden nicht von „Boulevard Studien“!

Ohne Studien, kein fundierter Wirksamkeitsbeweis - egal ob Behandlung der Schul- oder Alternativmedizin,  unser Standpunkt liegt auf der Hand. Wenn es fachlich fundierte Unterlagen (evidenzbasierte Studien) für den Erfolg einer Behandlung gibt, sollte diese Methode der Öffentlichkeit zugute und zum Einsatz kommen – Vermutungen und Überlieferungen dürfen jedoch nicht als Basis einer Behandlung von Patienten herangezogen werden.

Woran liegt aber unser „Mangel“? Nichtsdestotrotz fühlen sich Menschen leer, ausgepowert, müde und überlastet an. Wieso? Könnte es daran liegen dass wir Menschen uns immer mehr in eine Gewinnorientierte Gesellschaft treiben lassen, dass Empathie, soziale Wärme immer mehr von Mobbing, Profit Denken der Industrie (auch in der Medizin) verdrängt wird? Homo oeconomicus – ein Fehltritt! Könnte das Bild (abgeschlagene, müde und frustrierte Gesichter), welches wir Tag für Tag in den U-Bahnen, Autos und Bussen weltweit erleben doch vielleicht von unserem Lebensstil herrühren? Aber gar nicht von einem Vitaminmangel, sondern daher, dass wir nicht mehr auf unsere Bedürfnisse, auf unsere innere Uhr und auf uns selbst schauen?

Gibt es schlechte Zähne?

Ja und nein, die meisten Menschen haben gute Zähne aber schlechte Gewohnheiten! Wenn Sie Ihre Füllungen hauptsächlich im Seitzahnbereich haben, dann gehören Sie ebenfalls zu den Menschen mit guten Zähnen, aber schlechten Gewohnheiten. Die meisten von uns glauben, Sie haben schlechte Zähne, jedoch hat es einen Grund, wieso wir Füllungen und fehlende Zähne vorwiegend im Seitzahnbereich haben.

Richtiges Zähne putzen muss erlernt werden! Die Auslage –also die Frontzähne werden gut geputzt, im Seitzahnbereich lassen wir uns vom Frischegefühl der Zahnpasta täuschen und haben dadurch Putzdefizite. Das hat Folgen, Zahnbeläge führen zu Karies und Parodontitis. Schlechte Zähne sind sehr selten! Ganz wenige Menschen haben angeborene schlechte Zähne, dann sind aber alle Zähne betroffen, also auch die Frontzähne.

Wetten Sie haben aber Ihre Zahnfüllungen/Kronen/Inlays oder fehlenden Zähne nur/hauptsächlich auf der Seite! Wieso haben Sie nur auf der Seite schlechte Zähne – o.k. vielleicht haben Sie auch noch Füllungen in der Oberkieferfront. Da haben Sie vielleicht halbmondförmige Füllungen, wenn Sie nicht schon einen Schritt weiter sind – nämlich das Sie Kronen haben. Aber wieso sind nur bestimmte Zähne schlecht? Wenn schlecht, dann wären doch alle schlecht! Aber keine Sorge, Sie sind nicht alleine – Sie können ruhig Ihren Mitmenschen in den Mund sehen und werden bemerken, dass alle „Ihre schlechten“ Zähne nur auf der Seite haben.

Der Grund unserer „schlechten Zähne“ ist also einfach, die oberen vorderen Zähne berühren sich an dicken Kontaktflächen. Die unteren vorderen Zähne berühren sich an kleinen Kontaktflächen. Unten kommt die Zahnbürste üblicherweise zwischen die Zähne – oben nicht. Deshalb entsteht Karies oben halbmondförmig zwischen den Zähnen, sind die Füllungen dann beim Zahnnerv, dann wird wurzelbehandelt. Meistens kommen dann Kronen. Und was ist mit den Seitzähnen? Nun die Auslage, also die Front wird gut geputzt, hinten hascht man meistens nur drüber und lasst sich vom Frischegefühl der Zahnpasta täuschen. Die nicht weg geputzten Beläge (Putzdefizite im Seitzahnbereich) verursachen Karies – meistens schon in der Kindheit, die Zahnärzte klären nicht auf, sondern bohren nur. Und so kommt es, dass wir alle unsere Füllungen auf der Seite haben. Schlechte Gewohnheiten also, zusammen mit schlechter Aufklärung bringt uns kaputte Zähne!

Ausgerüstet mit diesem Wissen können wir nun einiges an unserer Mundpflege ändern – auf zum richtigen Zähne putzen:

  • Beginnen Sie zuerst hinten zu putzten, die leichten Stellen kommen zu letzt
  • Verwenden Sie mindestens 1Xtäglich eine Munddusche, keine Sorge, am Anfang kann das Zahnfleisch leicht bluten und schmerzen. Das vergeht aber in der Regel bald
  • Putzen Sie ordentlich, danach nehmen Sie eine Plaquetablette (gibt es z.B. in Apotheken zu kaufen) – nach dem Putzen also … überall dort wo Sie noch Beläge haben (kontrollieren Sie auch Ihre inneren Zahnflächen) sollten Sie nach Putzen. Durch das Nachputzen programmieren Sie Kopf und Hand neu ein und erlernen spielerische eine neue Putztechnik!

Ziel ist, dass Sie Ihre hinteren Zähne genauso gut putzen lernen wie Ihre Vorderen, wenn dann der Zahnarzt noch gute Arbeit macht und Ihre Zähne z.B. mit Keramikinlays versorgt, dann ist für sehr lange Zeit das Bohren vorbei. Ein gewissenhafter Zahnarzt erklärt Ihnen diese Zusammenhänge in einem Erstgespräch – vor Therapiebeginn, denn das ist die eigentliche Therapie – die Aufklärung!

Globuli, Homöopathie, Schüssler Salze im Aufwind – alles Bio?

Zugegeben die Schulmedizin hat in den letzten Jahren sehr viel an Vertrauen verloren, das liegt vor allem daran, dass  viele Mediziner mit Hilfe der Boulevardpresse sich Ihren akademischen Titel „erkauft“ haben. Generell ist die medizinische Forschung nicht so klar strukturiert wie z.B. in anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen. Doch die Medizin holt auf, Schlagwort ist Evidenz basierte Medizin. Aufgrund dieser Missstände in der „Schul“ Medizin gewann die „Alternative Medizin“ – Schlagwörter sind Homöopathie, sanfte Medizin, komplementär Medizin, Naturheilmethoden, Kinesiologie,  traditionelle chinesische Medizin, usw.; stark an Patienten, die nach Hilfe suchen. Erst kürzlich wurde die Unwirksamkeit von Schüssler Salzen in der europäischen Verbrauchschutzorganisation in einem Bericht erwähnt, trotzdem hält der Boom an!

Speicheltest zur Kariesvorsorge

Durch die Speicheldiagnostik versucht man über die Bestimmung von Bakterien (S.mutans und Laktobazillen) unter Einbeziehung der Speichelfließrate und Pufferkapazität Patienten mit erhöhtem Kariesrisiko zu erfassen! Mit Erfolg? Leider nein, immer wieder liest und hört man über den Speicheltest zur Karies Vorsorge. Bei Drogentest und in der Kriminalermittlung hat sich die Speicheldiagnostik durchgesetzt – nicht so aber in der Zahnheilkunde! Einmalig durchgeführte Tests zeigen starke Schwankungen, sie erlauben keine Unterscheidung zwischen Kindern mit hohem oder niedrigem Kariesrisiko. Zum Schluss die gute Nachricht – durch regelmäßige Zahnarztbesuche, gute Mundpflege kann Karies verhindert werden!

Fluor – Fluorid. Fluoridverbindungen als Kariesschutz

Natrium Fluorid, Fluorid Zähne, Zahnpasta Fluorid, Flour … viel geistert um das Thema Fluoridieren der Zähne, was ist richtig, was ist falsch.

Vorweg – Fluor ist ein sehr giftiges Gas zu den Halogenen gehörend.  Fluoridionen im Gegenteil, also elektrisch geladene Atomverbindungen, sind für Lebewesen essentiell, sie werden zu den Spurenelementen gezählt.

Üblicherweise benutzte Fluoride sind:

  • Natriumfluorid (NaF, z. B. in den Fluoridtabletten oder in manchen Zahncremes bzw. Mundwässern),
  • Kaliumfluorid (KF, im fluoridierten Speisesalz),
  • Zinn(II)-Fluorid (SnF2, manchmal in Zahncremes eingesetzt) oder
  • Aminfluoride (in Zahncremes und fluoridhaltigen Gelen)

Für die kariespräventive Wirkung sind nur lokale aufgetragene Fluoride am bereits durchgebrochenen Zahn wirksam. Da die Bevölkerung auf zahlreiche Fluoridquellen zurückgreifen kann (Tabletten, Speisesalz, Trinkwasser, Zahncremes, Fluoridgels,  …) ist ein besonnener  Umgang mit diesem Spurenelement wichtig. Da Karies eine vielseitig bedingte Erkrankung ist, lässt sich die Entstehung und Fortlauf einer Karies auf Bevölkerungsebene durch alleinige Fluoridapplikation nicht vollständig verhindern. Karies ist demnach keine Fluoridmangelerscheinung! In der nachfolgenden Empfehlung zu Fluoridmaßnahmen werden nur Punkte aufgezählt, die nachweißlich wissenschaftlich einen Nutzen haben!

Zahnpasten

Die Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasta ist eine wirksame kariespräventive Maßnahme. Der kariespräventive Effekt im bleibenden Gebiss steigt mit zunehmender Fluoridkonzentration in der Zahnpasta und häufigerer Verwendung.

Fluoridtabletten

Fluoridtabletten sind kariespräventiv wirksam. Da der kariespräventive Effekt bei durchgebrochenen Zähnen auf der lokalen Wirksamkeit des Fluorids beruht, sollten sie regelmäßig gelutscht werden. Es wird nur eine Form der ganzheitlichen (systemischen) Fluoridzufuhr (Tablette oder Speisesalz) empfohlen – siehe Grafik. Bei Speisesalz selbst sind die vorhandenen Daten nicht so eindeutig wie bei Lutschtabletten. Bei Verwendung von Fluoridtabletten für Kinder unter sechs Jahren muss eine Fluoridanamnese – Befragung erhoben werden, um überhöhte Fluoridaufnahmen durch andere Quellen zu vermeiden. Während der Schwangerschaft müssen keine Fluoridtabletten eingenommen werden, da eine Fluoridtablettengabe keinen Einfluss auf die Kariesprävalenz im Milchgebiss hat.

Fluoridlackapplikation

Die Fluoridlackapplikation ist eine wirksame kariespräventive Maßnahme. Bei Kindern und Jugendlichen kann sie zwei- oder mehrmals jährlich und unabhängig von anderen Fluoridierungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Fluoridgele

Die Fluoridgelapplikation ist eine wirksame kariespräventive Maßnahme und kann unabhängig von anderen lokalen Fluoridierungsmaßnahmen durchgeführt werden, vorausgesetzt, das Gel wird nicht geschluckt. Der kariespräventive Effekt von Fluoridgelen ist unabhängig von der Applikationsmethode; die Anwendungsform hängt vom Zusammenarbeitswillen (der Compliance) des Patienten ab und sollte deshalb individuell gewählt werden.

Fluoridhaltige Mundspüllösungen

Bei niedriger Kariesaktivität und regelmäßiger Mundhygiene mit fluoridhaltiger Zahnpasta wird die Anwendung fluoridhaltiger Mundspüllösungen nicht empfohlen. Bei Personen mit erhöhtem Kariesrisiko führt die kontrollierte Anwendung von Mundspüllösungen zu einer Reduktion des Kariesanstiegs und kann deshalb unabhängig von der Anwendung anderer Fluoridpräparate empfohlen werden.

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