Furkation mehrwurzliger Zähne

Grafik eines drei wurzeligen Backenzahnesbelsky

Zahnwurzel Furkation

Furkation bedeutet Aufteilung, in der Zahnmedizin versteht man darunter die Aufteilung der Wurzeln bei mehrwurzligen Zähnen.

Im Oberkiefer spricht man von einer Trifurkation (da die Oberkiefer Backenzähne drei Wurzeln) im Unterkiefer von einer Bifurkation (da die Unterkiefer Backenzähne zwei Wurzeln haben).

Sie sehen einen Zahn, man erkennt die Zahnkrone, diese geht dann in den Wurzelstamm über. Im Bild erkennt man deutlich die Übergangszone, diese bezeichnet man als Schmelz Zement Grenze. Die Zahnwurzeln sind nämlich nicht wie die Zahnkrone von Schmelz überzogen, sondern von einem Material ähnlich dem Knochen, dem Wurzelzement. Der Wurzelstamm trennt sich in die entsprechenden Wurzeln auf, jenen Aufteilungsbereich bezeichnet man als Furkation. In diesem Fall haben wir einen dreiwurzligen Zahn, man spricht also von einer Trifurkation.

Der Wurzelstamm ist normalerweise von Knochen umgeben. Kommt es im Zuge einer Parodontitis zum entzündlich bakteriell bedingten Knochenrückgang, dann kann der Wurzelstamm, ja sogar die Furkation außerhalb des Knochens zu liegen kommen. In diesen schwer putzbaren Bereich nisten sich sofort Bakterien ein, der Knochenabbau geht unaufhaltsam voran – in der Furkation bildet sich Narben –, sogenanntes Granulationsgewebe.

Man unterscheidet verschieden Schweregrade des Furkationsbefalls – Sie sehen einen Zahn, der Knochen ist durch die Parodontitis zurückgegangen, in der Furkation befindet sich nur noch entzündlich verändertes Gewebe und viele, viele Bakterien. Verschwindet die Sonde in der Furkation bis zu 3mm, dann spricht man von Furktionsbefall Grad I. Bis zu 6mm spricht man von Furkationsbefall Grad II, gelangt man mit der Sonde ganz durch die Furkation, dann bedeutet dies einen Furkationsbefall Grad III.

Wichtig ist also, die bakteriell verursachte Entzündung zu stoppen, denn sonst geht immer weiter Knochen verloren, bis der Zahn schlussendlich ganz verloren ist. Um die Entzündung zu stoppen muss die entstandene Schlupfnische von Bakterien wieder befreit werden – also für Sie putzbar werden, denn mit der normalen Zahnbürste bekommen Sie nur wie in der Animation gezeigt glatte gut zugängliche Oberflächen sauber, in die Furkation kommen die Borsten nicht hin!

Furkationsdefekte Grad I und II kann man recht gut therapieren, indem man z.B. den verlorenen Knochen/Paradontium wieder aufbaut. Bei Grad III Defekten ist eine Regeneration leider nicht mehr möglich, Ziel ist also der Entzündung durch Putzen Einhalt zu gebieten. Dafür muss der Defekt Grad III für Sie putzbar werden, z.B. mit Interdentalbürsten.

Damit Sie schmerzlos hindurch putzen können, kann der Zahnarzt die Furkation ein wenig vergrößern, man nennt diesen Eingriff Tunnelierung. Sie sehen ein Röntgenbild eines Backezahnes, deutlich erkennt man den Knochenabbau im Bereich der Furkation. Der Zahnarzt tunnelierte den Zahn vorerst, der dunkle Fleck auf dem Röntgenbild ist nun deutlicher zu sehen. Ist die Wurzelkanalanatomie nicht so gut für eine Tunnelierung geeignet, dann kann der Zahnarzt eine Wurzelamputation durchführen, auch so kann ein Furkationsbefall therapiert werden. In unserem Beispiel kam die Entzündung durch die Tunnelierung nicht zum Stillstand, also wurde eine Wurzelamputation durchgeführt. Man erkennt, dass dort wo früher die Wurzel war, sich wieder Knochen gebildet hat. Das Röntgenbild zeigt die Situation 1 Jahr nach erfolgter Wurzelamputation. Manchmal ist anstatt einer Wurzelamputation die Prämolarisierung von Vorteil - der Zahnarzt macht hierbei aus dem Zahn zwei Zähne.

Je nach Furkationsbefall und Wurzelkanalanatomie entscheidet sich der Zahnarzt für die eine oder andere Technik, das Ziel ist immer das gleiche, den Bakterien die die Parodontitis auslösten muss die Schlupfnische genommen werden – dies geschieht indem der Defekt für Sie putzbar wird.

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