Fistel und Zysten – existiert ein Zusammenhang?

Zahnfistel im Oberkiefer eines Frontzahnesbelsky

Zahnfistel

Ja! Beides kann z.B. durch eine unsachgemäße Wurzelbehandlung entstehen.

Zuerst zur Fistel, eine Fistel im Mund ist eine Antwort Ihres Körpers auf eine chronische Infektion. Eine Fistel kann sich überall im Körper bilden, in Hartgeweben (z.B. Knochen) oder in Weichgeweben (z.B. Muskeln und inneren Organen).

Ubi Pus, ibi evacuvave – wo Eiter ist, dort entleere ihn!

Danach handelt nicht nur der Arzt, sondern auch unser Körper! Denkmodell – Sie haben eine chronische Infektion im Körper – z.B. im Knochen rund um die Zahnwurzel (aufgrund einer schlechten Wurzelbehandlung). Es bildet sich Eiter, der Körper versucht dieses „Eiternest“ zu entleeren, der Mediziner spricht von einem Abszess. Dabei wird das Gewebe, welches nach außen den Eiterherd – den Abszess – begrenzt zerstört, es bildet sich eine Eiterstraße zur Mundhöhle hin.

Wird die Entzündung nicht gestoppt, dann organisiert sich die Eiterstraße zu einer Eiterfistel. Da der Körper die Infektion und somit auch die Eiterstraße „klein“ halten will, werden die Randbereiche der Eiterstraße mit speziellem Gewebe – sogenanntes Granulationsgewebe, ausgekleidet … es entsteht eben eine Fistel, rundherum ist das Gewebe soweit in Ordnung und Eiter kann abfließen.

Eine Fistel ist also eine Art künstlich geschaffener Gartenschlauch von unserem Körper, um Eiter aus der Wunde nach außen – in dem Fall zur Mundhöhle – zu transportieren. Sie merken meistens einen Tippel am Zahnfleisch, bei Druck entleert sich Eiter!

Eine Zahnfleisch Fistel ist also immer ein Zeichen das was nicht stimmt, belassen sollte man sie nicht, denn die Infektion schreitet voran und zerstört in unserem Beispiel weiterhin Knochen, der dunkle Felck im Röntgenbild!

Schmerzen nach einer Zahnextraktion – ein Zeichen für eine Zahnfistel!

Treten zwei bis drei Tage nach einer Zahnextraktion starke Schmerzen auf, dann handelt es sich um eine Knochenentzündung – eine sogenannte Alveolitis. Die Ursachen der Alveolitis sind vielfältig. Man unterscheidet Arztfehler von Patientenfehlern!

Arztfehler bei Zahnschmerzen nach Zahnextraktion:

  • unvorsichtiger Umgang mit dem Gewebe
  • einlegen von Streifen in die Extraktionswunde
  • schlechte Aufklärung

Patientenfehler bei Zahnschmerzen nach Zahnextraktion:

  • nicht befolgen der Verhaltensregel
  • Rauchen, Alkohol, schlechte Mundhygiene

Die Therapie besteht in einer Anfrischung und dichter Übernähung der Wunde. Antibiotika sind sinnlos und Schmerzmittel helfen meist nur kurze Zeit. Sollten Sie an einer Alveolitis leiden, dann hilft nur ein nochmaliger Arztbesuch! Wichtig ist, dass sich das Zahnfach nach der Zahnextraktion mit Blut füllt, denn das Blutkoagel „verbindet“ das Knochenfach wie ein Pflaster und schützt es so vor Bakterien aus der Mundhöhle. Eine Fistel wird sich aufgrund der Akutheit des Geschehens nicht entwickeln. Entwickelt sich aus der akuten Alveolitis eine chronische Alveolitis, dann sind Fistelbildung möglich.

Was sind nun Zysten, wie entstehen sie und warum bekommen wir Sie?

Röntgenbild und Foto von einer folikulären Zystebelsky

folikuläre Zyste

Es existieren viele Arten von verschiedenen Kieferzysten. Eine Zyste ist ein mit einer feinen Membran ausgekleideter Hohlraum in einem Organ/Gewebe. Kieferzysten sind im Knochen, also Hartgewebe, deshalb spricht man auch häufig von Knochenzysten, oder Hartgewebszysten. Man unterscheidet angeborene und erworbene Kieferzysten.

So sind z.B. die follikuläre -, globulomaxilläre – und mediane Unterkieferzysten angeborene Kieferzysten.

Dem gegenüber sind z.B. parodontale- oder radikuläre Zysten erworbene Kieferzysten. Die Benennung der Zysten erfolgt aufgrund des Ursprungsgewebes, von diesem aus lassen sich auch Schlüsse auf Ihre Entstehung ziehen. Bleiben wir bei den am häufigsten anzutreffenden Zysten, nämlich den radikulären Zysten. Die Ursache dieses Zystentyps sind meist schlecht wurzelbehandelte Zähne. So können Zähne die nicht optimal mit Wurzelfüllmaterial abgefüllt sind auch nach Jahren Kieferzysten verursachen. Wie? Faulendes Wurzelkanalgewebe, welches im Zuge der Wurzelbehandlung nicht entfernt wurde, kann im Knochen einen Entzündungsreiz verursachen. Dieser Entzündungsreiz wiederum kann “embryonales Restgewebe” zum wachsen stimulieren.

Während unserer Embryonalentwicklung sind viele verschieden Zelltypen in enger Kooperation mit der Bildung des Körpers beschäftigt. Ein Teil der Zellen bilden sich später zu Knochenzellen, Zahnzellen, Nervenzellen und Muskelzellen aus. Ein Teil der Zellen dient als Wegweiser, sie lotsen die Gewebszellen sozusagen an den richtigen Punkt, es wäre ja dumm, würden Ihnen Zähne im Magen wachsen.

Der Embryo gedeiht und wächst, immer mehr entwickelt sich daraus die menschliche Form. Die Zellspezialisierung nimmt zu und die „Lotsenzellen“ verkümmern und bleiben in den Geweben liegen. Diese Reste unserer embryonalen Wegweiser – sogenannte  Zellreste aus der Embryonalentwicklung, finden sich im ganzen Körper in allen Organen verteilt. Kommt es nun z.B. durch eine schlechte Wurzelbehandlung zu einem Entzündungsreiz im Knochen, dann kann dies ruhende Embryonalzellen zum Wachstum stimulieren. Die Zellen beginnen sich zu teilen und bilden eine Zyste – eine sogenannte radikuläre Zyste. Da das Zystenwachstum an sich sehr langsam verläuft, spüren Sie keinen Schmerz, erst wenn akute Probleme auftreten, z.B. einer Zahnlockerung aufgrund des Knochenabbaus, oder einer Zysteninfektion, dann wird der Patient aufmerksam.

Im Röntgen erkennt man Zysten schon sehr früh – die Röntgenstrahlen durchdringen im Zystenbereich den Knochen leichter, denn es ist ja weniger Knochen als im restlichen Kiefer vorhanden – man sieht also einen dunklen Fleck. Da Zysten meistens von selbst immer größer werden, gehören sie operativ entfernt, man spricht von einer Zystektomie.

Bei der Therapie wird aber meistens nicht nur die Zyste entfernt, sondern die Wurzelspitze des schuldigen Zahnes wird ebenfalls abgeschnitten und entfernt, man spricht von einer Wurzelspitzenresektion. Dafür klappt man das Zahnfleisch zur Seite, bohrt im Bereich der Wurzelspitze ein kleines Loch in den Knochen und legt so die Wurzelspitze des Zahnes frei um sie dann ein zu kürzen. Diese Operation wird auch durchgeführt, wenn der Knochen rund um die Wurzelspitze entzündet ist, also nicht nur bei Zystenoperationen.

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