Bleichen von verfärbten Zähnen

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Zahn Bleaching

Verfärbte Zähne lassen sich - je nach Ursache - mit unterschiedlichen Verfahren aufhellen; dies wird als Bleichen bzw. Aufhellen bezeichnet, im deutschsprachigen Raum hat sich der Begriff "Bleaching" durchgesetzt. Da sich in der USA immer mehr Menschen für ein Anal- oder Genitalbleaching entscheiden, sollte um Missverständnisse zu vermeiden von einem Zahn Bleaching gesprochen werden. Hierfür werden derzeit fast ausschließlich Mittel verwendet, die durch Abspaltung von Sauerstoff eine Oxidation von organischen Farbstoffmolekülen bewirken sollen. Darüber hinaus wird diskutiert, dass die Bleichmittel verfärbte organische Bestandteile aus der Zahnhartsubstanz lösen können.

 

Grundsätzlich wird zwischen Methoden zur Aufhellung wurzelkanalbehandelter und nicht wurzelbehandelter Zähne unterschieden. Hinsichtlich dieser Unterteilung, lassen sich die Ursachen der Verfärbungen in äußere und innere Zahnverfärbungen einteilen.

Äußere Zahnverfärbungen sind als Auflagerungen auf der Zahnoberfläche zu verstehen. Sie ergeben sich z.B. nach dem Genuss von Tabak, Rotwein, Kaffee oder Tee. Medikamente (z.B. eisen- oder nitrathaltige Präparate bzw. Chlorhexidin) können ebenfalls äußere Verfärbungen hervorrufen. Äußere, auch externe Zahnverfärbungen genannt, lassen sich meist im Rahmen einer Mundhygiene unter Einsatz von Polierpasten oder Pulverstrahlgeräten beseitigen, wobei diese Verfahren auch Zahnhartsubstanz entfernen.

Bei internen Zahnverfärbungen ist der Zahn mit einer verfärbend wirkenden Substanz durchdrungen, dabei können sowohl das Dentin als auch der Zahnschmelz betroffen sein. Ursachen für diese Einlagerungen sind z.B. angeborene Zahnanomalien, bestimmte Allgemeinerkrankungen (z.B. des blutbildenden Systems), Mangelernährung (z.B. Vitamine, Kalzium, Phosphat – nicht in den Industrieländern zu finden), überhöhte Aufnahme von Fluorid (Fluorose). Auch Blutungen innerhalb des Zahnes, z.B. durch ein schweres Zahntrauma, kann zu Verfärbungen führen, besonders dann, wenn eine unsachgemäße Wurzelbehandlung durchgeführt wird. Bei einer schlechten Wurzelbehandlung werden Bakterien in den Kanal eingeschleppt, diese bauen Erythrozyten ab, Hämoglobin und nachfolgend Eisen wird freigesetzt, das mit - von Bakterien gebildetem Schwefelwasserstoff - zu schwarzem Eisensulfid reagiert. Dadurch kommt es zur Graufärbung des Zahnes. Darüber hinaus können Zerfallsstoffe des abgestorbenen Zahnnervens zur Verfärbung der Zahnkrone beitragen. Weiterhin können möglicherweise bestimmte Wurzelkanalfüllmaterialien zu inneren Verfärbungen führen.

Zahn mit Öffnung für internes Bleaching Gelundefined

internes Bleaching

Als Indikation zum Bleichen verfärbter Zähne werden meist rein ästhetische Aspekte angegeben. Jedoch gibt es nicht selten Patienten, die psychisch so stark unter ausgeprägteren Farb- bzw. Strukturanomalien leiden, dass eine Bleichtherapie auch aus medizinischen Gründen angezeigt sein kann. Dabei ist stets abzuwägen, ob das substanzschonende Bleichen nicht stärker invasiven Therapien wie Veneers oder Kronen vorzuziehen ist.

 

Zur Aufhellung wurzelbehandelter Zähne wird heute die sog. „Walking-bleach-Technik“ vorgeschlagen, bei der für ca. 3 - 5 Tage ein Gemisch aus Natriumperborat-(tetrahydrat) und destilliertem Wasser (bzw. 3% H2O2) in den Zahn eingebracht wird. Voraussetzung für die „Walking-bleach-Technik“ ist eine dichte Wurzelkanalfüllung. Durch eine undichte Wurzelkanalfüllung kann H2O2 penetrieren und so Schädigung des Zahnhalteapparates und starken Schmerzen verursachen. Für den Erfolg des Aufhellens ist es entscheidend, dass das eingebrachte Natriumperborat mit einer dichten provisorischen Füllung abgedeckt und somit ein frühzeitiges Herauswaschen des Bleichmittels aus dem Zahn verhindert wird. Zur optimalen Aufhellung verfärbter Zähne ist häufig eine mehrmalige Einlage notwendig. Ob H2O2-abspaltende Bleichmittel (z.B. Carbamidperoxid) die Frakturanfälligkeit des Zahnschmelzes erhöhen wird in der Fachwelt diskutiert. Es konnte gezeigt werden, dass die „Walking-bleach-Technik" im Dentin, also im Zahnbein, nicht zu einer Versprödung und erhöhten Frakturanfälligkeit führt. Vielmehr wird der Zahn meistens durch die Entfernung von verfärbtem Dentin erheblich geschwächt. Um Frakturen zu verhindern, sollte daher nur sehr stark verfärbtes Dentin unter größtmöglicher Schonung der Zahnhartsubstanz entfernt werden.

Die Adhäsion von Kompositmaterialien an gebleichtem Schmelz ist vorübergehend verringert; daher sollte eine definitive, verankerte Restauration erst ein bis zwei Wochen nach Abschluss des Bleichens erfolgen. Vitale, verfärbte Zähne können von außen aufgehellt werden. Seit ca. 10 Jahren wird zur Aufhellung lebender Zähne die Anwendung von 10- bis 15%igem Carbamidperoxid in Gelform empfohlen. Carbamidperoxid ist seit langem in der Zahnheilkunde als orales Desinfektionmittel bekannt. Carbamidperoxidgele werden vom Patienten in häuslicher Anwendung (meist während der Nacht) mit Hilfe von individuellen Medikamententrägern auf die zu bleichenden Zähne aufgetragen. Carbamidperoxid bzw. H2O2 kann durch freiliegendes Dentin diffundieren. Um Irritationen des Zahnnervens zu vermeiden, sollten insuffiziente Zahnfüllungen vor einer Aufhellungstherapie erneuert bzw. kariöse Läsionen oder freiliegendes Dentin versorgt werden.

Zwischen der giftig bedenklichen und der eventuell verschluckten Menge an Carbamidperoxidgel liegt ein Sicherheitsfaktor von über 100 vor. Es sollten aber immer individuell angefertigte Medikamententräger verwendet werden, damit die applizierte Menge an Gel möglichst gering gehalten wird. Erste deutliche Aufhellungen bei Anwendungen von carbamidperoxidhaltigen Gelen können nach ca. acht bis zehn Tagen beobachtet werden. Insgesamt sollte die Anwendung vier bis sechs Wochen nicht überschreiten.

Bei der Aufhellungstherapie mit Carbamidperoxidgelen sind vor allem folgende Nebenwirkungen beschrieben:

  • Schleimhautirritationen (meist durch schlecht passende Medikamententräger)
  • transiente Überempfindlichkeit der Zähne

Diese Nebenwirkungen sind entweder vorübergehender Natur oder durch einfache zahnärztliche Maßnahmen (Politur, Fluoridierung) korrigierbar. Zur Vermeidung von Komplikationen sollte die Durchführung von Aufhellungstherapien in den Händen des Zahnarztes bleiben. Diese Maßnahmen sollten somit nicht im Rahmen einer Selbstverordnung durch den Patienten durchgeführt werden.

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