Bissnahme - Kieferrealtionsbestimmung

Grafik einer Bissnahmebelsky

Bissnahme

Die Bissnahme dient zur Bestimmung der Lage des Unterkiefers in Bezug zum Oberkiefer.

Der Unterkiefer ist in seiner Lage zum Oberkiefer nicht konstant positioniert, die optimale Lage wird immer wieder neu aufgrund von Daten, die kleine Rezeptoren im Zahnhalteapparat, der Muskulatur und im Kiefergelenk liefern, vom Hirn neu berechnet. Dadurch kann sich der Kauapparat sehr schnell auf Abnützung der Zähne und Zahnverlust anpassen.

Sie merken dieses Phänomen der variablen Unterkieferposition meistens nur am Morgen. Nachts haben viele den Mund offen, die „optimale“ Position des Unterkiefers wird dadurch im Hirn gelöscht, dass führt dazu, dass Sie am Morgen das Gefühl haben, als ob die Zähne nicht aufeinander passen würden. Erst nach ein paar Kaubewegungen hat unser Hirn mithilfe der empfindlichen Rezeptoren die richtige Kieferrelation wieder gefunden – der Tag kann beginnen. Wird der Unterkiefer in eine ungünstige Position z.B. aufgrund eines schlechten Zahnersatz „gedrängt“, dann kann dies Gesichts-, Kiefergelenks- ja sogar Kopfschmerzen verursachen.

Beim Vollbezahnten ergibt sich die Position der Kiefer also aus der Zahnverzahnung, bei Zahnlosen, oder bei nur mehr sehr wenig Zähnen braucht der Techniker Informationen wie die Kiefer zueinanderstehen, damit er den Zahnersatz richtig anfertigen kann. Durch die Bißnahme übermittelt man die Kieferrelation dem Techniker.

Es gibt viele zahlreiche Techniken der Bissnahme,  der Patient beißt zuerst 10 Minuten auf eine Watterolle damit der Speicher – unser Hirn - deprogrammiert wird. Danach nimmt der Behandler den Unterkiefer des Patienten mithilfe eines speziellen Griffes und schließt den Unterkiefer – dabei drückt der Behandler die Kiefergelenkköpfchen nach vorne oben. Diese Technik  sollte aber nur bei Patienten erfolgen, die aufgrund einer stark reduzierten Bezahnung, keine eindeutige Verzahnung haben und sich deshalb der Unterkiefer nicht reproduzierbar positionieren lässt.

Zwischen die beiden zahnlosen/wenig bezahnten Kiefern, gibt man während der Bissnahme einen Silkonquetscher. Durch die Impressionen der Kieferkämme im Quetscher, kann der Techniker die Gipsmodelle grob positionieren und eine Bissschablone anfertigen. Mithilfe der Bissschablone wird dann eine nochmalige Bissnahme durchgeführt, statt dem Quetscher trägt der Patient dann die Bissschablone und somit ist die Kieferrelationsbestimmung noch genauer.

Heute nimmt man an, dass die ideale Position der Kiefergelenkköpfchen in der großen Gelenkpfanne „vorne oben“ ist, deshalb versucht man bei der Gebissrekonstruktion diese Position des Unterkiefers aufzusuchen.

Früher und teilweise heute noch werden die Unterkiefer vieler bezahnten Patienten mithilfe von neuem Zahnersatz und/oder einschleifen der Zähne in eine „Sollposition“ gedrängt, was absolut sinnlos ist. Eine Bissnahme bei gut Bezahnten und beschwerdefreien Patienten ist überflüssig, denn durch die Verzahnung der Zähne ergibt sich der individuelle Biss. Dieser kann zwar vom „ideal“ Biss abweichen, das macht aber gar nichts. Bissnahme hat also nur Sinn bei Fehlen von Bezugspunkten, also in einem stark reduziertem Gebiss oder beim Zahnlosen. Sehr selten wird auch bei Vollbezahnten ein neuer  Biss gesucht – z.B. bei Patienten mit  Gesichts- und/oder Kiefergelenksbeschwerden. Hierfür muss die Restbezahnung auf die neue Bisssituation eingeschliffen werden.

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