Aphten, Parodontitis und Krebs!

die drei Hauptformen von Aphthenbelsky

Aphthen

Aphthen, diese kleinen schmerzhaften Dinger im Mund – was hilft?

Aphthe ist eine Mundschleimhaut Erkrankung. Wer schon einmal solch eine kleine Schleimhaut Läsion gehabt hat, weiß wie unangenehm Aphten sein können. Essen und trinken ist beeinträchtigt, die Zahnpflege leidet auch meistens. Drei unterschiedliche klinische Ausprägungen werden beschrieben, die Minoraphthe, die Majoraphthe und die herpetiformen Ulzerationen. Diese Unterteilung wird aufgrund der Erscheinungsform und Lokalisation getroffen!

Minoraphthen sind die häufigste Form, runde oder ovale, flache Ulzerationen mit weniger als 5mm Durchmesser. Sie tritt normalerweise am beweglichen Zahnfleisch, – Schleimhaut auf und heilt nach ein bis zwei Wochen ohne Narbenbildung ab.

Die Majoraphthe ist seltener, sie findet sich vor allem am Gaumen, Lippen und an den Gaumenbögen. Sie heilen häufig erst nach einigen Wochen (bis zu 6 Wochen) unter Narbenbildung ab.

Herpetiforme Aphthen sind charakterisiert durch viele hunderte kleine Läsionen, die überall in der Mundhöhle auftreten können.

Woher kommen Aphthen? Generell können diese Erkrankungen bei vielen Systemerkrankungen auftreten, so z.B. bei

  • Morbus Behcet
  • Sweet Syndrom
  • familiäre Neutropenie
  • HIV Infektion
  • Sweet Syndrom

Aber auch gesunde Menschen erkranken immer wieder an Aphthen, die Entstehung ist nicht genau bekannt. Verschiedene Faktoren wie Eisenmangel, Vitaminmangel, Glutenunverträglichkeit, Nahrungsunverträglichkeit, mögliche infektiöse Ursachen und genetische Faktoren werden diskutiert. Häufig treten Aphthen bei Gesunden nach dem Verzehr von Nüssen, Pistazien und/oder Zitrusfrüchten auf. Was kann man tun dagegen? Da man die Ursache nicht kennt, hilft nur eine symptomatische Therapie, wie:

  • Mundspülungen mit eiweißfällenden Lösungen wie Salbeitee
  • lokal Kortikosteroide (Volon A Haftsalbe)
  • Chlorhexidin Mundspülung
  • topische Analgetika als Lutschtabletten

Treten Aphthen nach bestimmten Nahrungsmitteln auf, dann hilft nur die Nahrungsmittel meiden! Trotz der schmerzhaften Veränderungen, also den Aphten, ist eine gute Mundhygiene besonders wichtig. Viele Menschen schränken die Mundhygiene aufgrund der Schmerzen ein, daraus kann ein Teufelskreis resultieren. Der vermehrte Zahnbelag führt zur Zahnfleischentzündung, eine Zahnfleischentzündung kann unbehandelt in eine chronische Zahnhalteapparatentzündung übergehen.

Illustration von Immunzellen die eine Krebszelle attakieren© Andrea Danti - Fotolia.com

Krebszelle

Chronische Entzündungen sind immer schlecht, auch das Krebsrisiko kann steigen. Unser Immunsystem produziert laufend Substanzen (geladene Proteine, sogenannte Defensine) die gegen Bakterien, Pilze und Viren gerichtet sind. Diese Defensine werden von den Immunzellen an Körperflüssigkeiten abgegeben, dort bewahrt uns der “Defensine Cocktail” vor Angreifern wie Bakterien, Pilzen und/oder Viren. Defensine sind zirka so alt wie Insekten, sie bilden also einen alten Bestandteil unseres Immunsystems, man findet sie deshalb quer durch das gesamte Tierreich.  Die Immunzellen geben diese Proteien in hohen Konzentrationen z.B. an die Augenflüssigkeit, Speichel, Lunge, Vaginalschleim ab. Überall wo unser Körper also mit Eindringlingen zu kämpfen hat, finden sich diese Proteine! Die Bildung der Defensine funktioniert nur in einem gesunden „Haushalt“ gut. Unter gesundem Haushalt versteht man das ausgeglichene Zusammenspiel unserer Organe, so findet z.B. im Dünndarm der nicht mikrobielle Abbau der Nahrung statt, im Dickdarm dagegen dominiert der mikrobielle Abbau. Der Dickdarm ist sozusagen ein Fermentationsorgan, kommt es zwischen Dick- und Dünndarm zu einem „Ungleichgewicht“, dann kann dies die Defensine Produktion negativ beeinflussen. Verminderter Defensinspiegel bedeutet weniger Abwehr gegen Mikroorganismen. Wie kann es nun zu einem Ungleichgewicht kommen? So führt z.B. eine Kohlenhydratunverträglichkeit zu einer übermäßigen Fermentation im Dickdarm. Das wiederum führt zu einer übermäßigen Gasbildung, dadurch wird der Darm bildlich gesprochen aufgeblasen, der Schließmechanismus Dünn-/Dickdarm funktioniert nicht mehr und es wandern Bakterien vom Dünndarm in den Dickdarm ein. Dadurch kommt es zu Dünndarmentzündung, zusammen mit der reduzierten Defensine Produktion führt diese Konstellation häufig nach Jahren zu Darmkrebs.

Unsere Zellen und Organe kommunizieren also untereinander mithilfe verschiedener Stoffe – der Überbegriff für diese Stoffe ist “Zytokine“, die Defensine sind eine Gruppe der Zytokine. Diese Zytokine bewirken die Aktivierung von Signalwegen in der Zelle. Sie können sich das so vorstellen: Zelle A (eine Immunzelle) sagt zur Zelle B (eine Mundschleimhautzelle) – “bilde mehr Schleim, da Bakterien vorhanden sind”. Zelle A spricht aber nicht mit Zelle B, sondern schüttet eben Signalmoleküle  – sogenannte Zytokine aus. Wie ein Schlüssel/Schloss Prinzip bewirken diese Zytokine, dass in Zelle B Signalwege aktiviert werden, die Schlussendlich in der vermehrten Produktion von Schleim enden. Die Signalwege können Sie sich wie eine Fabrik vorstellen, wo der Chef dem Vorarbeiter eine Anweisung erteilt, dieser geht dann und schreit die Anweisung ins Mikrophon. Gleich darauf gehen Arbeiter sich umziehen usw. … genau das spielt sich auch in der Zelle ab – eben eine Signalkaskade. Am Ende dieser Kaskade bilden die Zellorganellen der Zelle mehr Schleim! Interessanterweise fand man heraus, dass bei Parodontitis Patienten ähnliche Signalwege durch Bakterien in den Zahnfleischtaschen aktiviert werden, wie man sie bei Krebspatienten findet, ein Zusammenhang dieser Erkrankungen wäre also möglich.

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