Ätzgel in der Zahnmedizin

Zahnätzgel in Tube und auf PapierCheck Dent

Zahnätzgel

Mittels Ätzgel werden in der Zahnmedizin Oberflächen vergrößert.

Diese Oberflächen dienen in der Regel als Klebeflächen. Im Gegensatz zum Zementiervorgang wird beim Kleben (im Fachjargon spricht man vom Bonding), die zu verklebenden Oberflächen speziell aufgearbeitet. Der Ätzvorgang ist ein Teil dieses Vorgangs, dabei wird die Oberfläche des Zahnes oder Keramikinlays rau – man spricht von einem mikroretentiven Muster. Die Oberfläche des Zahnes ist zuerst glatt, mit der Zeit „frisst“ sich das Ätzgel in den Schmelz des Zahnes und schafft kleine Lakunen und Höhlen. Nach dem Abwaschen des Ätzgels bleiben diese Strukturen erhalten – wird nun der Kleber auf den Zahn aufgebracht, dann fließt dieser in die geschaffenen Oberflächenmuster, vorausgesetzt der Zahn bleibt sauber und der Kleber ist dünnflüssig genug. Wird das Inlay ebenfalls so behandelt und auf den Zahn aufgesetzt und der Kleber zum aushärten gebracht, dann ist die Klebefläche durch den Ätzvorgang enorm vergrößert worden.

Wenn man sich die ursprüngliche Klebefläche des Zahnes mit dem Inlay vorstellt, dann ergibt das die Länge X. Sieht man sich nun die Klebefläche nach dem Ätzvorgang an, dann hat sich diese um den Faktor Y vergrößert. Da das Ätzmuster aber nicht nur zweidimensional, sondern dreidimensional ist, potenziert sich die Klebfläche zusätzlich. Durch den Ätzvorgang wird also die Oberfläche konditioniert und so erst eine stabile Verbindung beim Kleben ermöglicht.

Gute Kleberesultate erhält man aber nur wenn der Zahn während des gesamten Klebevorgangs  sauber bleibt. Deshalb sollte immer mit einem Kofferdamm gearbeitet werden, in der Animation sehen Sie was passiert wenn z.B. Speichel auf den Zahn kommt – sofort ist die poröse Oberfläche verschlossen und der Kleber kann nicht mehr eindringen. Die Haftung und somit die Dichtheit der Füllung/Inlays ist vermindert. Das Resultat ist meistens Karies nach einigen Monaten/Jahren.

Aber Vorsicht, nicht alles am Zahn darf gleichmäßig geätzt werden. Dentin besteht aus Proteinfäden und kleinen Kanälen und liegt unter dem Zahnschmelz, beim beschleifen werden diese Strukturen zerstört, es bildet sich förmlich ein Matsch – im Fachjargon spricht man vom Smear Layer.

Der Smearlayer verhindert das Eindringen des Klebers - würde man nun aber über Schmelz und Dentin gleich lange Ätzgel auftragen, dann würden die freigewordenen Proteine im Dentin durch das Ätzgel verklumpen – man spricht von Denaturierung – ähnlich wie bei der Hühnersuppe die zum Kochen beginnt, der graue Film der sich an der Oberfläche bildet sind denaturierte Proteine. Der Kleber könnte nicht in das Dentin eindringen. Deshalb trägt man das Ätzgel zuerst auf den Schmelz auf, einige Zeit später erst auf das Dentin und läßt es dort nur wenige Sekunden wirken. Dadurch entfernt man zu einem den Smearlayer ohne die Proteine des Dentins zu denaturieren, zum anderen schafft man im Schmelz das gewünschte mirkoretentive Muster. Jetzt kann der Kleber gut in Schmelz und Dentin eindringen, die Grundlage für einen optimalen Verbund. Mehr zu diesem Thema finden Sie z.B. in den Videos Keramikinlay und Bonding.

Die Risiken beim Ätzen sind vernachlässigbar klein, trotzdem kann es natürlich in Einzelfällen zu Komplikationen kommen, die dann eventuell weitere Maßnahmen erforderlich machen. Bei jeder weiteren erforderlichen Maßnahme kann es wiederum zum Auftreten von Komplikationen kommen, die dann im Verlauf bis hin zum Zahnverlust führen können. Hier werden nur die speziellen Komplikationen des Ätzvorgangs besprochen, diese wären z.B.:

  • Vorübergehende Kalt/Warm Empfindlichkeit der Zähne
  • Schädigung des Zahnnervs, eine Wurzelbehandlung kann die Folge sein
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