Wurzelspitzenresektion mit retrograder Füllung, darunter versteht man die operative Entfernung der Wurzelspitze und Säuberung des Zahnkanals von unten, also dem Wurzelende aus – man spricht auch von retrograder Apexversiegelung.
Eine Wurzelspitzenresektion wird bei einer chronischen Knochenentzündung an der Wurzelspitze durchgeführt – wie es dazu kommt, erfahren Sie im gleichnamigen Video WSR.
Sie sehen nun einen Film von einer Wurzelspitzenresektion mit retrograder Füllung. Der Patienten hat Frontzahnkronen, aufgrund von schlechten Wurzelbehandlungen entwickelte er nach einigen Jahren Infektionen an den Wurzelspitzen. Damals wurde eine WSR ohne einer retro- oder orthograden Füllung durchgeführt. Heute erfolgt eine Wiederholung der Wurzelspitzenresektion, dieses Mal mit retrograder Füllung, denn dadurch erst wird der Kanal dicht verschlossen.
Zuerst wird das Zahnfleisch aufgeklappt, Sie sehen einen sogenannten Zahnfelsichrandschnitt. Ein Schleimhautlappen wird ab präpariert, Sie sehen die Infektion an der Wurzelspitze, nach wie vor hat sich dort kein Knochen gebildet.
Das Granulationsgewebe wird entfernt und ein Medikament zur Blutstillung wurde eingebracht. Nun wird mit speziellen Instrumenten die Wurzel von unten konisch unter sich gehend aufgearbeitet. Die rosa Teile sind Reste der alten Wurzelkanalfüllung. Die Aufarbeitung der Wurzel geschieht mit Ultraschalinstrumenten, gekühlt wir mit Wasser. Sobald eine schöne Öffnung präpariert wurde, erfolgt wiederum Blutstillung und Reinigung mit Alkohol.
Die trockene und saubere Öffnung wird nun mit einem speziellen Zement verschlossen. Dabei wird immer wieder ein Kegel Zement mit einem kleinen Spatel in die Wurzel gedrückt und mit einem speziellen Stopfer nachgestopft. Dies geschieht ein paar Mal, dann wird gewartet bis der Zement hart ist. Überschüsse werden entfernt, zudem wird die Füllung geglättet.
Der weiße Punkt an der Wurzelspitze ist der hart gewordene Zement, die Wurzel ist nun dicht verschlossen, in einem Jahr sollte sich wieder Knochen um die Wurzelspitze gebildet haben – kontrolliert wird das mit einem Röntgen. Zuletzt wird die Wunde vernäht. Diese Prozedur nennt man Wurzelspitzenresektion mit retrograder Füllung.
Alternativen zu dieser Operation wäre die Zahnextraktion, oder aber wenn möglich die Wurzelspitzenresektion mit orthograder Füllung.
Die Risiken der Operation sind bei einem erfahrenen Operateur vernachlässigbar klein, trotzdem kann es natürlich in Einzelfällen zu Komplikationen kommen, die dann eventuell weitere Maßnahmen erforderlich machen. Bei jeder weiteren erforderlichen Maßnahme kann es wiederum zum Auftreten von Komplikationen kommen, die dann im Verlauf lebensbedrohlich sein können. Hier werden nur die speziellen Komplikationen der retrograden WSR besprochen, diese wären:
• Knochenentzündung (Osteomyelitis) z.B. bei nichteinhalten von Hygienestandards bei der OP
• Verletzung umgebender Strukturen wie Zunge, Wange, Nerven, Blutgefäße, Nachbarzähnen, Nachbarwurzeln mit den jeweiligen Folgen, wie z.B. Gefühlsstörungen in der Zunge und/oder der Lippe
• Wundinfektionen z.B. bei nicht einhalten von Verhaltensregeln
• Kieferhöhleneröffnung, dies kann dann in weiterer Folge zu Kieferhöhlenentzündung führen
• Wiederauftreten der Entzündung nach erfolgter Operation
• Unvollständige Resektion und/oder übersehen von Wurzeln / Wurzelteilen
• Unvollständiges Versiegeln der Wurzel aufgrund z.B. starker Blutung
Zum Glück sind solche Komplikationen aufgrund der positiven Entwicklungen in der Medizin der letzten Jahrzehnte, sehr selten geworden.
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