Wurzelkanalspülung

Grafik einer Wurzelbehandlung mit Spüllungbelsky

Spülung bei Wurzelbehandlung

Die Wurzelkanalspülung stellt einen integralen Bestandteil der Wurzelbehandlung dar.

Zuerst werden die Wurzelkanäle konisch und homogen mit speziellen Feilen aufgearbeitet. Dies dient vor allem dazu, um bessere Wurzelkanalspülungsergebnisse zu erhalten! Ziele der Wurzelkanalspülung sind:

  • Reduktion der Keime und bakteriellen Toxine im Wurzelkanalsystem
  • Auflösung und Entfernung von Resten des Pulpagewebes
  • Unterstützung der mechanischen Aufbereitung und Abtransport von Dentinspänen

Anforderungen an Spüllösungen?

  • Desinfektionswirkung
  • biologische Verträglichkeit
  • Gewebe auflösende Wirkung
  • einfache Applizierbarkeit Spüllösungen zur Desinfektion

Die antimikrobielle Wirkung einer Spüllösung steigt in Abhängigkeit von der Applikationsmenge, der Applikationsdauer, der Konzentration und der Temperatur. Die Spülwirkung ist nur effektiv, wenn die Aufbereitung ein Vordringen der Spülkanüle in den Wurzelspitzenbereich erlaubt. Daher ist es empfehlenswert, entsprechend weit aufzubereiten und dünne Kanülen zum Spülen zu verwenden, die ohne Friktion bis etwa 4-5 mm vor den apikalen Aufbereitungsendpunkt eingebracht werden können. Ein Verklemmen der Kanüle im Wurzelkanal ist zu vermeiden, da es zur Überpressung der Spüllösung in apikale Gewebe und damit zu Gewebedestruktionen und starken Schmerzen kommen kann. Eine Aktivierung der Spüllösung z.B. durch Ultraschall ist von Vorteil. In infizierten Kanälen ist eine ausreichend lange Einwirkung zur Auflösung des Biofilms angeraten.

Natriumhypochlorit (NaOCl) gilt in einer Konzentration zwischen 0,5% und 5% als Spüllösung der ersten Wahl. Es weist folgende Eigenschaften auf:

  • sehr gute antimikrobielle Wirkung auf die Mehrzahl der endodontisch relevanten Keime bei geringer Toxizität
  • die Fähigkeit, nekrotisches, aber auch vitales Gewebe aufzulösen
  • die Fähigkeit, Lipopolysaccharide zu neutralisieren

Da die NaOCl-Lösung bei höheren Temperaturen rasch zerfällt, sollte eine Erwärmung erst unmittelbar vor oder während der Anwendung stattfinden. Bei der Lagerung ist darauf zu achten, dass NaOCl dunkel und kühl aufbewahrt wird.

Zahnwurzelkanal mit Kofferdamm bei Wurzelbehandlung und Spülungbelsky

Zahnwurzelkanal Spülung

Chlorhexidindigluconat (CHX) zeigt in Konzentrationen zwischen 0,2 bis 2% ebenso wie NaOCl eine sehr gute antimikrobielle Wirkung bei guter Bioverträglichkeit. Es wirkt nicht gewebeauflösend und kann Endotoxine nicht neutralisieren. Die Spülung mit CHX ist als Zusatzspülung zu verstehen, ihre Vorteile liegen in der besonders guten Wirkung gegen grampositive Keime (wie z.B. Enterokokken) und Fungi, die sich vermehrt in Revisionsfällen finden und gegen NaOCl und/oder Ca(OH)2 resistent sein können. Bei CHX-Spülung nach NaOCl-Spülung kann es zum Ausfällen von CHX Kristallen im Wurzelkanal kommen, deshalb sollte zwischen CHX und NaOCl Spülungen mit z.B. Auqadest gespült werden.

Wasserstoffperoxid (H2O2) H2O2 (3-5%) verfügt kaum über eine antimikrobielle Wirkung. Die Wechselspülung von NaOCl mit H2O2 ist nicht sinnvoll, da sowohl die antimikrobielle als auch die gewebeauflösende Wirkung des NaOCl durch gegenseitige Neutralisation (H2O2 +NaOCl -> H2O+ NaCl + O2) stark reduziert wird.

Phenolhaltige und formaldehydhaltige Substanzen sind aus heutiger Sicht nicht indiziert. Sie müssen als unspezifisch toxisch bezeichnet werden, d.h., sie sind auch für gesundes körpereigenes Gewebe toxisch. Sie können Knochenentzündungen hervorrufen, u.a. auch wegen ihrer raschen Diffusion in Bereiche jenseits des Wurzelkanals, die auch in einer kurzen Wirkdauer dieser Substanzen resultiert.

Wie sieht nun solch ein Wurzelkanal Spülprotokoll aus?

Bei der mechanischen Aufbereitung des Wurzelkanals entsteht an den bearbeiteten Kanalabschnitten eine Schmierschicht (Smear layer) aus Dentin, Pulparesten und Bakterien, die die Dentintubuli verblockt.

Editinsäure (EDTA) EDTA verfügt über mäßige antimikrobielle Eigenschaften und wird in der Regel in einer Konzentration bis 15% zur Entfernung der Schmierschicht verwendet.

Nach EDTA Applikation wird ein Nachspülen mit Natriumhypochlorit empfohlen.

Alkohol weist ungenügende antimikrobielle Eigenschaften auf, kann jedoch bei Applikation unmittelbar vor der Wurzelkanalfüllung zur Trocknung des Kanals herangezogen werden.

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