Existiert ein Zusammenhang zwischen Parodontitis, Krebs und der Allgemeingesundheit?

Illustration Mensch der Infektion abwehrtSebastian Kaulitzki - Fotolia

Infektion

Ja der existiert!

Unser Immunsystem produziert laufend Substanzen (geladene Proteine, sogenannte Defensine) die gegen Bakterien, Pilze und Viren gerichtet sind. Diese Defensine werden von den Immunzellen an Körperflüssigkeiten abgegeben, dort bewahrt uns der "Defensine Cocktail" vor Angreifern wie Bakterien, Pilzen und/oder Viren.

Defensine sind zirka so alt wie Insekten, sie bilden also einen alten Bestandteil unseres Immunsystems, man findet sie deshalb quer durch das gesamte Tierreich.  Die Immunzellen geben diese Proteien in hohen Konzentrationen z.B. an die Augenflüssigkeit, Speichel, Lunge, Vaginalschleim ab. Überall wo unser Körper also mit Eindringlingen zu kämpfen hat, finden sich diese Proteine!

Die Bildung der Defensine funktioniert nur in einem gesunden „Haushalt“ gut. Unter gesundem Haushalt versteht man das ausgeglichene Zusammenspiel unserer Organe, so findet z.B. im Dünndarm der nicht mikrobielle Abbau der Nahrung statt, im Dickdarm dagegen dominiert der mikrobielle Abbau. Der Dickdarm ist sozusagen ein Fermentationsorgan, kommt es zwischen Dick- und Dünndarm zu einem „Ungleichgewicht“, dann kann dies die Defensine Produktion negativ beeinflussen. Verminderter Defensinspiegel bedeutet weniger Abwehr gegen Mikroorganismen.

Wie kann es nun zu einem Ungleichgewicht kommen? So führt z.B. eine Kohlenhydratunverträglichkeit zu einer übermäßigen Fermentation im Dickdarm. Das wiederum führt zu einer übermäßigen Gasbildung, dadurch wird der Darm bildlich gesprochen aufgeblasen, der Schließmechanismus Dünn-/Dickdarm funktioniert nicht mehr und es wandern Bakterien vom Dünndarm in den Dickdarm ein. Dadurch kommt es zu Dünndarmentzündung, zusammen mit der reduzierten Defensine Produktion führt diese Konstellation häufig nach Jahren zu Darmkrebs.

Auf diese Weise kommunizieren also unsere Zellen untereinander mithilfe verschiedener Stoffe – der Überbegriff für diese Stoffe ist "Zytokine". Diese Zytokine bewirken die Aktivierung von Signalwegen in der Zelle.

Sie können sich das so vorstellen: Zelle A (eine Immunzelle) sagt zur Zelle B (eine Mundschleimhautzelle) – "bilde mehr Schleim, da Bakterien vorhanden sind". Zelle A spricht aber nicht mit Zelle B, sondern schüttet eben Signalmoleküle  – sogenannte Zytokine aus.

Wie ein Schlüssel/Schloss Prinzip bewirken diese Zytokine, dass in Zelle B Signalwege aktiviert werden, die Schlussendlich in der vermehrten Produktion von Schleim enden. Die Signalwege können Sie sich wie eine Fabrik vorstellen, wo der Chef zum Vorarbeiter eine Anweisung erteilt, dieser geht dann und schreit die Anweisung ins Mikrophon. Gleich darauf gehen Arbeiter sich umziehen usw. ... genau das spielt sich auch in der Zelle ab - eben eine Signalkaskade.

Interessanterweise fand man heraus, dass bei Parodontitis Patienten ähnliche Signalwege durch Bakterien in den Zahnfleischtaschen aktiviert werden, wie man sie bei Krebspatienten findet, ein Zusammenhang dieser Erkrankungen ist sehr wahrscheinlich.

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