Wie hoch ist die Lebenserwartung von Zahn Implantaten?

Illustration von einem Zahnimplantat in einem Modellpsdesign1 - Fotolia

Zahnimplantat

Es existieren eine Reihe Kriterien zur Identifikation eines Implantationserfolges.

Für den Patienten zählt zwar die Schmerzfreiheit als Erfolg, jedoch ist Schmerz in der Medizin ein sehr unzuverlässiger Partner. So schmerzen bösartige Tumore in der Regel erst kurz vor dem Ende. Generell gilt in der Medizin – langsame Änderungen schmerzen selten, nur akute Veränderungen nimmt man als Schmerz war.

Was macht also einen Implantaterfolg aus? Der Arzt beurteilt nicht nur Schmerzen, er  hat eine Reihe anderer Möglichkeiten einen Implantaterfolg zu beurteilen.

So gibt es z.B. Negativkriterien, deren Fehlen oder Ausbleiben für einen Erfolg Bedingung ist und bei deren Auftreten ein Mißerfolg eingetreten ist. Ein erfolgreiches Implantat muß sich klinisch fest, entzündungs- und schmerzfrei ohne Knochenabbau im Kiefer befinden. Erfolgs- und Negativkriterien sind keine fixen Determinanten, sondern unterliegen einem Wandel und spiegeln die Entwicklungen in der Wissenschaft.

Bei den meisten Implantatsystemen beobachtet man in den ersten zwei Jahren einen Knochenabbau rund um das Implantat. Dies hat vermutlich mit den Implantataufbauten, den sogenannten Abutments, zu tun. Mehr zu diesem Thema und wieso man bei Implantatsystemen mit einer Konusverbindung zwischen Abutment und Implantat den Knochenabbau nicht beobachtet, erfahren Sie im Video Konusverbindung.

Grafik Zahnimplantat mit Abutment Konusverbindung

Abutment Konusverbindung

Da zu Beginn der Implantologie die meisten Implantatsysteme eine Steckverbindung hatten und man somit bei fast allen Implantaten einen Knochenabbau feststellte, war dieser Punkt vorerst kein Negativkriterium.  Dabei sollte die Abnahme der Knochenhöhe rund um das Implantat 0,2 mm nach dem 2. Jahr nach der Implantation nicht überschreiten. Dabei wird der höchste Verlust im ersten Jahr sowohl im zahnlosen als auch im teilbezahnten Kiefer mit einer Minderung um 0,4 - 0,5 mm / Jahr registriert, während im zweiten Jahr und in den folgenden Jahren nur noch 0,1 - 0,2 mm / Jahr gemessen werden. Implantate in Kombination mit Knochenaufbauten weisen eine wesentlich höhere Resorptionsrate im ersten Jahr auf (1,1 mm), die sich im weiteren Verlauf der des ortsständigen Knochens annäherte.

 

Welche Erfolgskriterien existieren nun: Mediziner verwenden standardisierte Analyseverfahren um die Erfolgsrate eines Implantatsystems zu ermitteln. Ein gängiges Verfahren ist die Verweildaueranalyse, im Unterschied zu der häufig verwendeten Quotientenbildung aus allen fehlgeschlagenen zu allen eingesetzten Implantaten („Input-Output Statistik“) ergibt sich durch die Verweildaueranalyse ein realistisches Bild der Mißerfolge.

Hierbei wird die Wahrscheinlichkeit eines Implantatverlustes entsprechend seiner Liegezeit berechnet. Da dieser liegezeitbezogene Effekt bei der einfachen Input-Output-Statistik fehlt, liegen deren Mißerfolgsraten wesentlich niedriger. Ein Implantat kann also nicht im Kiefer sein, aber aufgrund der ablaufneden Entzündungen ist es voraussehbar, dass ein Implantatverlust eintreten wird.

Die Input-Output Statistik berücksichtigt diesen Umstand nicht, die Verweildaueranalyse schon. Allerdings ist auch bei der Berechnung korrigierter Mißerfolgsraten eine gewisse Unsicherheit durch die Tatsache gegeben, daß entweder das einzelne Implantat, der Patient oder die implantatgetragene Konstruktion als „Berechnungseinheit“ Gegenstand der Erfolgsbeurteilung sein kann.

Wenn Sie also eine Implantatstatistik lesen, dann ist das richtige Analyseverfahren von Bedeutung. Derzeit werden weltweit mehrere hunderttausende Implantate unterschiedlicher Typen pro Jahr gesetzt. Leider wird die Beurteilung der Lebenserwartung und damit der Erfolgsrate von Implantaten in den verschiedenen Anwendungsbereichen auf sehr unterschiedliche Weise durchgeführt!

Die oben beschriebene Vielzahl möglicher Ansätze, die Definition der Ein- und Ausschlußkriterien unterschiedlicher Studien sowie die variable Definition des Implantaterfolges erschweren die Einschätzung der Ergebnisse und die Vergleichbarkeit der Untersuchungen untereinander.

Dennoch sind mittlerweile für die gängigen Implantatsysteme, welche im Knochen verankert werden, wissenschaftliche fundierte Langzeitergebnisse dokumentiert, während diese Daten für andere Systeme wie beispielsweise Implantate unter der Beinhaut, oder Keramikimplantate bisher nicht nachgewiesen sind.

In Abhängigkeit von dem verwendeten Implantatsystem wird die Erfolgswahrscheinlichkeit für Implantate im zahnlosen Unterkiefers für steggetragene Versorgungen in implantatbezogenen Statistiken nach 8 - 10 Jahren mit 88 – 97 % und in patientenbezogenen Statistiken nach 5 bzw. 8 Jahren mit 95 und 97 % angegeben. Für festsitzenden, bedingt abnehmbaren Ersatz liegt die Erfolgsrate in implantatbezogenen Statistiken nach 8 Jahren zwischen 92 und 98 % und bei 86 % in patientenbezogenen Auswertungen.

Nach wie vor kommt man dank solcher Analysen zu neuen Erkenntnissen, so beeinflußt eine Perforation des knöchernen Kieferhöhlenbodens während der Implantatsetzung im Oberkiefer offenbar die Prognose der eingesetzten Implantate nicht. Trotzdem sollte darauf geachtet werden, die Kieferhöhle bei der Implantation nicht zu verletzten, es wird postuliert, dass Implantate, die in die Kieferhöhle ragen, bei einer Kieferhöhlenentzündung im Rahmen eines banalen Infektes, leichter infiziert werden könnten. Untersuchungen zu diesem Punkt gibt es aber noch wenige.

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