Implantologie - Prothetik in der Zahnmedizin

Animation von transparentem Schädelmodell mit Zahnimplantat© psdesign1 - Fotolia.com

Schädelmodell mit Zahnimplantat

Was bedeutet eigentlich festsitzender Zahnersatz, bedingt abnehmbarer Zahnersatz und abnehmbare Zahnprothese?

Festsitzend bedeutet, Sie können den Zahnersatz nicht aus dem Mund nehmen, der Zahnersatz ist fix im Mund verankert. Man spricht nicht von keiner Zahnprothese, sondern vom Zahnersatz. Ein klassisches Beispiel für einen festsitzenden Zahnersatz ist eine Zahnkrone. Ein weiteres Beispiel für festsitzenden Zahnersatz ist die Zahnbrücke, diese wird ebenfalls wie die Zahnkrone auf Zahnstümpfe zementiert. Der einzige Unterschied zur Zahnkrone ist, dass ein, oder mehrere  “Zwischenglied/er” zwei “Kronen” miteinander verbinden. Einzelne Kronen werden häufig miteinander verblockt – ohne Zwischenglieder, dies wird gemacht um sich Arbeit zu sparen, den der Techniker muss weniger Seiten am Zahnersatz modellieren und der Zahnarzt zahlt weniger für die Arbeit. Für Sie hat solch eine Verblockung aber nur Nachteile!

Ist kein Zahnstumpf mehr vorhanden, dann übernimmt ein Implantat die Funktion der Zahnwurzel. Zahnersatz auf Implantaten wird ebenfalls meistens zementiert, aber mit einem provisorischen Zement, es handelt sich also um einen “bedingt abnehmbaren Zahnersatz”.

Wenn der Zahnarzt den Zahnersatz abnehmen kann, indem er z.B. Schrauben lockert, dann spricht man von „bedingt abnehmbarem Zahnersatz“. Bedingt abnehmbar bedeutet also, Sie können nicht, der Zahnarzt aber kann den Zahnersatz aus Ihrem Mund „einfach“ und zerstörungsfrei entfernen.

Ein klassisches Beispiel für einen bedingt abnehmbaren Zahnersatz wäre eine verschraubte Steglösung.

Implantatkronen werden im Gegensatz zu normalen Kronen wie schon erwähnt, mit einem provisorischen Zement zementiert, sprich der Zahnarzt kann die Implantatkrone bei Bedarf wieder abnehmen, es handelt sich also um einen bedingt abnehmbaren Zahnersatz. Demgegenüber ist eine Krone auf Ihrem Zahnstumpf ein festsitzender Zahnersatz, denn der Zahnarzt muss die Krone zerstören um sie von Ihrem Zahn zu bekommen.

Früher war die Verwendung von verschraubtem Zahnersatz nicht unüblich, heute geht der Trend eindeutig zu zementierten Lösungen.

Dies hat verschiedene Gründe:

  • Entwicklung und Verbesserung von  Zementen (permanente und auch provisorische Zemente)
  • niedrigere Kosten der Versorgungen gegenüber aufwendigen verschraubten Lösungen
  • leichter putz bar
  • weniger Problem anfällig
  • größerer Komfort für den Patienten, den verschraubter Zahnersatz ist in der Regel größer – also klobiger im Mund
  • positiven Entwicklungen in der Implantologie, Knochenaufbauchirurgie

Bei festsitzendem/bedingt abnehmbarem Zahnersatz werden die Kaukräfte immer in den Knochen eingeleitet – entweder über die Zahnwurzel, oder aber eben durch Implantate. Bei abnehmbarem Zahnersatz ist das ebenfalls möglich, oder aber der Zahnersatz nützt Teile der Schleimhaut als “Aufruhe” und leitet so die Kaukräfte auf die Schleimhaut über. Man unterscheidet also beim abnehmbaren Zahnersatz Knochen- oder Schleimhaut getragen!

Je nachdem ob die Kaukräfte in den Knochen (sowie bei den eigenen Zähnen), oder aber auf die Schleimhaut übertragen werden, unterscheidet man beim abnehmbaren Zahnersatz also zudem  „Knochen getragenen oder Schleimhaut getragenen“ Zahnersatz!

Werden die Kaukräfte in den Knochen geleitet, der Zahnersatz liegt der Schleimhaut nur knapp auf, dann spricht man von Knochen getragenen Zahnersatz.

Werden die Kaukräfte aber hauptsächlich in die Schleimhaut übertragen und dienen Restzähne und/oder Implantate (man spricht von Verankerungselementen) nur dem besseren Halt des Zahnersatzes, dann spricht man von Schleimhaut getragenen Zahnersatz.

Der Trend in den Industriestaaten geht eindeutig immer mehr zu Knochen getragenen Zahnersatz, aus folgenden Gründen:

  • erhöhter Komfort für den Patienten
  • Verhinderung von Schäden an Ankerzähnen (Teilprothesen – ein klassisches Beispiel für Schleimhautgetragenen Zahnersatz – werden mithilfe von verschiedenen Ankerelementen an der Restbezahnung verankert)
  • Verhinderung des Knochenabbaus vom Alveolarknochen (Use ist – or lose it)

 

Kugelanker auf Implantat und Zahnwurzelbelsky

Kugelanker

Knochenabbau durch Prothesen?

Häufig wird durch Schleimhaut getragenen Zahnersatz der Knochenabbau beschleunigt, da der Knochen nicht mehr natürlich belastet wird.  Das Resultat ist nicht nur eine schlecht sitzende Prothese, sondern Veränderungen des Gesichtes (großer Unterkiefer, kleiner Oberkiefer). Den Knochenabbau merken Sie durch immer wiederkehrende Druckstellen und/oder eine immer schlechter sitzende Prothese. Eine Prothesen Unterfütterung ist dann die Folge, dadurch wird der Knochenabbau wieder ausgeglichen.

Selbst wenn nur mehr wenig Knochen vorhanden ist, dann kann durch eine Knochenaufbauoperation wiederum ein Lager für Implantate geschaffen werden, Teilprothesen und Vollprothesen werden häufig nur mehr als Provisorium eingesetzt, für die Zeit, bis Zahnimplantate eingeheilt und somit belastbar sind.

Zahnersatz auf Zahnimplantaten – unterschiedliche Wartezeiten bei den Versorgungen

Festsitzender Zahnersatz ist immer Knochen getragen, sprich die Kaukräfte werden entweder über Ihre Zähne, oder aber über Implantate in den Knochen geleitet.

Implantate müssen in den Knochen zuerst gesetzt werden, man spricht von Implantation. Heutzutage sind minimal invasive Techniken der Standard, so z.B. die Stanz Technik.

Je nachdem wann das Zahnimplantat mit Zahnersatz versorgt wird, unterscheidet man eine

  • Sofortversorgung
  • Sofortbelastung
  • offene/gedeckte Einheilung

Wird das Implantat gleich den vollen Kaukräften ausgesetzt, dann spricht man von Sofortbelastung. Dies ist bei optimaler Knochenqualität – vor allem im Unterkiefer, möglich.

Wird das Implantat gleich mit einem Zahnersatz versorgt, aber nicht den vollen Kaukräften ausgesetzt – man macht den Zahn einfach ein wenig kleiner – dann spricht man von Sofortversorgung.

Ob das Implantat sofort, oder erst später belastet werden kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab, vor allem aber von der Knochenqualität. Ein weiterer Faktor ist der Umfang der Implantation, erfolgte z.B. eine Knochenaufbauoperation in der gleichen Sitzung, dann wird eher gedeckt eingeheilt, sprich die Schleimhaut über dem Implantat wird dicht vernäht.

Manchmal ist die Knochenqualität auch für eine Sofortversorgung nicht ausreichend, die Gefahr dass durch Nahrung und/oder die Zunge das Implantat samt Zahn bevor es einheilen kann, gelockert wird, wäre zu groß. Entweder man lässt dann das Implantat gedeckt einheilen, oder man befestigt nur einen sogenannten Zahnfleischformer. Durch den Zahnfleischformer erspart man dem Patienten nach der Einheilungszeit die Freilegungsoperation. Man spricht von offener Einheilung.

Gedeckt bedeutet also man lässt die Implantate unter der Schleimhaut einheilen, damit sich z.B. das Knochenaufbaumaterial nicht infiziert – ein Verlust des Knochenaufbaus wäre die Folge. Durch den Schleimhaut Verschluss ist das Operationsgebiet vor den Bakterien der Mundhöhle geschützt. Der Nachteil gegenüber der Sofortversorgung, Sofortbelastung und der offenen Einheilung ist, dass die Schleimhaut nach Einheilung der Implantate nochmals eröffnet werden muss – die sogenannte Freilegungsoperation.

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